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Träume in die Kinderzeit

von

Sylvia Keese

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  letztes Update am 19.10.2017

 

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Noch ein wenig Ägyptisches

Ägypten - unsere Bundeskanzlerin war grad da - Nachrichtenbilder mit den Pyramiden im Hintergrund - ob sie drinnen war? Denn - wer interessiert sich nicht für das alte Ägypten? Für Pharaonen, Pyramiden, Obelisken und die Sphinx, der Obelix die Nase abgetreten hat? Für Mumien, die nicht zurückkehren? Im 19. Jahrhundert war Ägypten wahnsinnig angesagt, wer auf sich hielt, fuhr hin und brachte sich etwas mit. Eine kleine Mumie zum Beispiel, die dann auf einer Party gemeinsam ausgewickelt wurde. Oder man nutzte Ägypten für die Werbung, so wie Bahlsen das TET-Symbol.

Als 1922 das Grab des Pharaos Tutanchamun gefunden wurde, katapultierte das den Ägyptenhype in ungeahnte Höhen.

Als ich vor vielen, vielen Jahren von meinem Onkel (den ich sehr bewunderte, weil er Archäologe und Ausgräber war und ich in seiner Tätigkeit so etwas wie Schatzsuche sah) das Buch "Götter, Gräber und Gelehrte" bekam, erwischte es mich auch. Dieses Buch erzählte mir wie ein Roman alles über die Ausgräber der alten Kulturen im Mittelmeerraum und über das Grab des Tutanchamun im Tal der Könige. Spannend.

meine Souvenirs der Tutanchamun-Ausstellung
meine Souvenirs der Tutanchamun-Ausstellung

Und so fand ich mich an einem Spätsommertag des Jahres 1981 in einer langen Schlange vor dem Museum August Kestner und wartete darauf, zur Tutanchamun-Ausstellung hereingelassen zu werden. Zur echten Tutanchamun-Ausstellung, die um die Welt tourte, mit 55 echten Exponaten aus dem Grab im Tal der Könige. Ich vermute, das Museum hat damals seinen Rekord an Besuchern aufgestellt - und an Securitymännern, an die wir noch so gar nicht gewöhnt waren, gefühlt einer pro Exponat. Und man durfte nichts mit hineinnehmen: keine Tasche, keine Jacke, kein Essen, kein Trinken, keinen Fotoapparat. All das betonte das Besondere dieser Ausstellung noch und so stand ich ehrfürchtig staunend vor den Vitrinen und konnte gar nicht glauben, dass Tutanchamun rein geschichtlich gesehen eher unbedeutend gewesen ist.

Nur das richtige "ägyptisches Grab-Feeling" wollte sich nicht so recht einstellen. Das kam erst im Jahr 2001, als das Museum eine Replique der Grabkammer mit den schönen Wandmalereien zeigte. In sie durfte man hineingehen, staunen und sich ein ganz kleines bisschen wie Howard Carter fühlen. Mittlerweile werden auch im Tal der Könige in Ägypten die Touristen in eine Replique geführt, das echte Grab bleibt verschlossen, sonst wäre es durch die feuchte Atemluft der Touris bald hinüber. Und außerdem muss dann keiner den Fluch des Pharao fürchten...

unvollständig - aber wunderschön
unvollständig - aber wunderschön

Die hauseigene Ägyptensammlung des Kestnermuseums ist nicht so golden, die meisten Exponate sind mehr klein und fein und man muss schon genauer hinsehen. Dann entdeckt man viel über 4000 Jahre Leben in Altägypten. Und über die Familie Tutanchamuns.

Viele Stücke stammen aus dem Amarnagebiet. Dort baute sich Tuts Papa, der Pharao Amenhotep IV. seine ganz eigene Stadt: Achet-Aton. Und zog mit Sack und Pack um.

War er ein Rebell, hatte er die "Alten" und deren Rituale, Grenzen und Anschauungen satt, hatte eigene Ideen, ein "junger Wilder"? Oder führte er nur Ideen konsequent aus, die sein Vater schon hatte?

zweimal der kleine Gott Bes, mein ägyptischer Lieblingsgott, im Profil die Nilpferdgöttin Toeris und kleine Statuetten aus dem MAK - Bes war der Schutzgott für die Nacht und deren Aktivitäten, Toeris beschützte Geburt und Tod
zweimal der kleine Gott Bes, mein ägyptischer Lieblingsgott, im Profil die Nilpferdgöttin Toeris und kleine Statuetten aus dem MAK - Bes war der Schutzgott für die Nacht und deren Aktivitäten, Toeris beschützte Geburt und Tod

Jedenfalls stellte er die alte Amun-Religion und die vielen alten Götter (und natürlich deren Priesterschaft) einfach kalt und erhob Aton, die Sonnenscheibe, zum alleinigen Gott. Und änderte seinen Namen in Echnaton. Mit ihm kam so etwas wie "Moderne" in die Sprache und die Kunst. Ein neuer Stil, u. a. Darstellungen des Familienlebens. Welche Rolle mag seine Hauptfrau, Nofretete, bei all dem gespielt haben? Hat sie gesagt: "du bist doch Pharao, du kannst doch tun, was du willst"? Was dachten die Ägypter über die Neuerungen und wieviel Widerstand lösten sie aus?

Der kleine Tut hieß eigentlich Tutanchaton, änderte aber, wie der Papa, seinen Namen als er Pharao war. Diesmal zurück in "Amun", denn die alte Religion setzte sich nach Echnatons Tod wieder durch, Achet-Aton wurde aufgegeben, der Hof zog wieder um.

Fayenceperlenmaske einer Mumie
Fayenceperlenmaske einer Mumie

Und übrigens - Im Museum gibt es auch ein Mumienkabinett mit echten toten Ägyptern, für den kleinen Schauer, und, in einem abgedunkelten Kasten, einen mumifizierten Fuß. Erst das Licht anmachen... Was die jungen Hannoveraner genauso reizt, wie mich früher der Lichtschalter am Kasten mit den Moorleichen im Museum meines Onkels...