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Träume in die Kinderzeit

von

Sylvia Keese

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  letztes Update am 19.10.2017

 

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Zeitreise

Habe ich erwähnt, dass ich wirklich gerne in Museen gehe? Ja?

Hannover hat eine ganze Reihe von Museen zu den unterschiedlichsten Gebieten, so dass eigentlich kein Hannoveraner eine Ausrede hat, nicht wenigstens in einem davon einmal gewesen zu sein. Und Hannover hat den "Freien Freitag", da kostet es nichts im Sprengel-, Landes-, Historischem und August Kestner Museum. Also wirklich keine Ausrede.

In Letzterem wird noch bis zum 29. Januar eine ganz fabelhafte Ausstellung gezeigt:

"Reklamekunst aus Hannover". Betonung auf "Kunst". Aber es ist mehr.

Hannover Museum August Kestner Reklamekunst
alte Werbeseiten am Eingang der Ausstellung

Es ist eine Begegnung mit unseren großen hannoverschen Firmen, von denen viele im 19. Jahrhundert gegründet wurden und von denen es einige heute noch gibt oder sich zumindest der Markenname noch erhalten hat: Bahlsen, Sprengel, Conti, Appel, Pelikan, Hanomag. Und mit kleinen hannoverschen Firmen, die die Zeit nicht überdauern konnten.

Die aber alle ein Problem hatten, das jeder Selbständige und jeder Betrieb auch heute hat - Wie bringe ich die Menschen dazu, ausgerechnet bei mir, ausgerechnet mein Produkt zu kaufen, wie mache ich mich bekannt?

aus den 50er Jahren
aus den 50er Jahren

Es ist eine Begegnung mit dem Charme alter und älterer Werbung und überaus talentierten Designern, denn die Firmen beschäftigten nicht irgendwen, sondern Künstler auf ihrem Gebiet. Bahlsens alte Keksdosen sind Hingucker, die gezeigten Werbeplakate und Schilder zeitlos.

Bei diesem hier stand leider nicht dabei, wer der Zeichner war. Was sich die beiden wohl zu sagen haben?

Hannover Museum August Kestner Reklamekunst
Pelikane - lebendige saßen früher im Vorgarten der Firma an der Podbielskistraße

Für uns war der Besuch eine Zeitreise, zurück in die Zeit unserer Großeltern und Eltern, manchmal skurril wegen der beworbenen Objekte und der Ernsthaftigkeit der Aussagen.

Und in unsere eigene Kindheit. "Weißt Du noch, damals, der Pelikano (Schulfüller von Pelikan)? Die Erfrischungsstäbchen 'zum Schmunzeln' (die echten von Sprengel)?" Wer schmunzelt heute denn noch... Mein Gott, ist das schon so lange her?

Hannover Museum August Kestner Reklamekunst
Bahlsen - Ideen für meine nächste Marmeladenaktion - und wie die TET-Packung zusammengefaltet wird, entdecke ich auch noch irgendwann

Dazu kann man sich in ein kleines Kino setzen und alte Werbefilme ansehen, merken, wie sich Werbung mit unserer Gesellschaft und medialen Möglichkeiten verändert hat. Und Heinz Ehrhardt entdecken, der fein-köstliche Werbung für die Firma Appel-Feinkost macht. "Schnippeldischnappel-Mayonnaise von Appel" und "Appels Delikatessen lassen Kater vergessen". Oder das Salzletten-Ballett der Bahlsenknabbereien.

 

Zu Hause habe ich unser altes Hannoverbuch von 1927 herausgeholt. Darin haben damals viele hannoversche Firmen inseriert, auch die oben aufgeführten, nur Bahlsen nicht. Bahlsen ist mit zwei seitengroßen Fotos der Gebäude und einem kurzen Satz im Text vertreten: 'Jedem deutschen Kinde sind die Leibnizkekse der Hermann Bahlsen Keksfabrik ... bekannt.' Ja, dann ... Aber ansonsten war Bahlsen Reklameprofi.

Hannover Museum August Kestner Reklamekunst
"Seit 1871 entwickelt Continental intelligente Technologien für die Mobilität der Menschen und ihrer Güter." (Werbetext der Firma)

Welche Firma benutzt heute noch Reklameschilder? Das Hanomag-Schild finde ich genial in seiner Schlichtheit. Und ich kenne auch den Ort, an dem es hergestellt wurde. Das war das Emaillierwerk am Rand von Mellendorf, nicht weit vom Mellendorfer Fernsehturm, 1926 entstanden und leider in den 1990er Jahren verstorben. Im Werksverkauf gab es auch schöne Schalen und Schlüsselborde, aber offenbar nicht genügend Werbung dafür. Das Schild mit unserer Hausnummer am Haus meiner Eltern stammte von dort.

Meine Zeitreise. Geht noch schnell ins Museum - direkt neben unserem Rathaus - und geht auf Eure eigene Zeitreise.

 

Die Fotos aus der alten Hanomag stammen - woher auch sonst - aus der Hanomag-Werbung im alten Hannoverbuch.

Die übrigen Fotos zeige ich mit der freundlichen Genehmigung des Museums August Kestner.