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Träume in die Kinderzeit

von

Sylvia Keese

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  letztes Update am 11.12.2017

 

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Hannoversche Schreibwaren und Pelikane

Wer uns besuchen möchte, fährt vom Hauptbahnhof stadtauswärts mit der U-Bahn/Straßenbahn an der Podbielskistraße entlang, lässt dabei das alte Pelikan-Firmengelände links liegen, bis er den Mittellandkanal überquert und den Gehaplatz in Sicht hat. Heute liegt unsere Haltestelle unmittelbar hinter der Kanalbrücke.

Brauner Pelikan oder Meerespelikan
Brauner Pelikan oder Meerespelikan

Früher gab es zwei Haltestellen, denn hier trennen sich zwei Linien an einer Kreuzung. Und ich stand an der äußersten Ecke des Blocks dazwischen, an dem in großen Buchstaben das Wort "Geha" stand, und wanderte stetig von links nach rechts und rechts nach links um zu sehen, welche Straßenbahn Richtung City wohl zuerst käme und über welche Fahrbahn ich laufen rennen müsste. Sportliches Straßenbahnfahren.

"Geha". Das waren die Gebrüder Hartmann, die 1918 ein Unternehmen für Bürobedarf gründeten. Mit einem Geha-Füller habe ich schreiben gelernt, er war ja so viel cooler als der von Pelikan, den jeder hatte. Seine Tintenpatronen hatten einen Reservetank, wie ein Auto. Und es gab ihn auch in rot!

Heute schreibe ich mit einem grünen Pelikan-Kolbenfüller. Unsere Kinder hatten in der Schule einen "Pelikano". Denn Gehafüller gibt es nicht mehr. 1990 wurde die Firma Geha von der Firma Pelikan geschluckt.

Brillenpelikane im Vogelpark Walsrode
Brillenpelikane im Vogelpark Walsrode

Pelikan gibt es seit den 1830er Jahren in Hannover, Carl Hornemann verkaufte Künstlerfarben und mischte Tinte und hatte damit offenbar eine Marktlücke entdeckt. 1871 übernahm Günther Wagner das Geschäft und machte aus seinem Wappentier das Markenzeichen: den Pelikan. 1895 wurde sein Schwiegersohn Fritz Beindorff Geschäftsinhaber und weitete das Sortiment aus.

Am Rand unseres Stadtparks Eilenriede steht ein Pelikanbrunnen, und wie heißt wohl die Straße, die auf ihn zuläuft? Ja: Fritz-Beindorff-Allee.

Dieser Brunnen hat eine interessante Vergangenheit. Er wurde ursprünglich für das Neue Rathaus gefertigt und 1913/1914 darin, ja, wirklich innen, aufgestellt. 1935 stand er dann wohl im Weg herum und zog an die Eilenriede. Der Bronze-Merkur, der damals  auf der Schale stand, wurde im Zweiten Weltkrieg abmontiert, wahrscheinlich eingeschmolzen. Und 1961 kamen die Pelikane. Wär ja schade um die schöne Brunnenschale gewesen.

Pelikanbrunnen an Hannovers Eilenriede
Pelikanbrunnen an Hannovers Eilenriede

Bei uns liegen noch Stempelkissen und runde braune Farbband-Schraubdosen mit dem Pelikan auf dem Deckel und sogar wunderbare Reißzwecken, auf deren Kopf der Pelikan prangt und die aussehen, wie gestern gekauft. Für die Schule brauchte ich nicht nur den Pelikan-Deckfarben-Tuschkasten, sondern auch Plaka-Farben in kleinen Gläsern. Den Geruch werde ich überall wiedererkennen.

ein Brillenpelikan
ein Brillenpelikan

Lange, lange wurde gar nicht weit von uns an der Podbielskistraße in großen Werkräumen produziert. Straßenbahnhaltestelle Pelikanstraße. Im Vorgarten war ein extra angelegter Teich, dort lebten zwei? (ich kann mich nur an einen erinnern) Pelikane. Von der Straßenbahn aus konnte man sie sehen und auf dem Bürgersteig mal stehenbleiben und schauen. Was dazu wohl heute die unsägliche Peta sagen würde? Und was wohl aus den Pelikanen wurde?

 

1993 wurde alles denkmalgeschützt ins "Pelikanviertel" umgewandelt, in Büros, Wohnungen und Hotels. Denn wo heute Pelikan draufsteht, steckt mittlerweile ein großer weltweiter Konzern dahinter, in dem der hannoversche Pelikan trotz Finanzkrisen irgendwie überdauert und es geschafft hat nicht unterzugehen und dem Ganzen seinen Namen zu geben.

Und Pelikane leben im hannoverschen Zoo. Und im Vogelpark Walsrode.