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Träume in die Kinderzeit

von

Sylvia Keese

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  letztes Update am 16.08.2017

 

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Eichen und Linden

Wenn sich jetzt das Laub verfärbt, Morgennebel aufsteigen und Kastanien und Eicheln von den Bäumen fallen, dann mit Berechtigung. Denn der kalendarische Herbst hat begonnen.

Übrigens - wenn mich jemand fragen würde, welcher Baum der norddeutscheste für mich ist... Die Eiche natürlich.

Berggarten Hannover
Berggarten - Blumenbeet vor dem Mausoleum

"Fest wie unsre Eichen halten alle Zeit wir stand..." steht schon im Niedersachsenlied, das allerdings politisch, gesellschaftlich und geschichtlich alles andere als korrekt ist. Im Mittelalter wurde unter Eichen Gericht gehalten. Und schon Druide Miraculix erntete am 6ten Tag nach Vollmond mit einer goldenen Sichel seine Misteln bevorzugt auf einer Eiche.

Berggarten Hannover
Berggarten - das Mausoleum im Eichenhain

Als der hannoversche Stararchitekt Laves 1842 bis 1847 das Welfenmausoleum im Berggarten baute, pflanzte der ebenso berühmte Gartenmeister Wendland noch während des Baus rund um das Mausoleum 36 Stieleichen. Und nicht etwa kleine, junge Bäumchen sondern große stattliche Bäume. Sie waren schon 60 Jahre alt, etwa 12 Meter groß und standen im Wald bei Kananohe, das ist nicht weit vom heutigen Flughafen Langenhagen, von den Orten Resse und Kaltenweide und inzwischen ein Naturschutzgebiet. Zuerst mussten die Wurzelballen umstochen werden und im Jahr darauf wurden die Bäume ausgegraben. Für den Transport gab es speziell angefertigte Wagen. 16 Pferde zogen sie, Hindernisse an der Fahrstrecke wurden beseitigt, Straßen gesperrt - das Ganze vergleichbar mit einem Schwertransport heutiger Zeit.

Und so kam eine Eiche nach der anderen im Berggarten an. Alle Bäume wuchsen an. Mehr als zwei Drittel von ihnen stehen heute noch.

Funkien im Beet vor dem Mausoleum
Funkien im Beet vor dem Mausoleum

Eichen gibt es schon seit 12 Millionen Jahren. Sie sind Symbole in vielen Religionen, stehen für Ewigkeit, sind Bestandteil von Wappen und Ehrenzeichen und unseres schönen alten ein-Pfennig-Stücks. Mein Vater mochte sie nicht, denn unser Nachbar hatte eine Reihe von ihnen im Garten stehen (die Grundstücke waren einmal Wald gewesen) und sie machten keinen Unterschied zwischen Mein und Dein bei Laub und Blüten und Eicheln und ganz schlicht "Dreck". Eine Menge Dreck.

Linden sind da auch nicht so viel besser. Nie das Auto unter Linden parken. Außer im Winter vielleicht. Aber in der Lindenallee im Berggarten darf ja sowieso niemand parken. Diese Allee ist schon 1727 angelegt worden, das Mausoleum gab den Endpunkt erst über hundert Jahre später. Die Linden sind nun schon fast 300 Jahre alt, teilweise innen hohl und nicht mehr so recht standfest. Eigentlich sollten sie gefällt und neu gepflanzt werden, dafür gab es ein extra Zucht-Forschungsprogramm mit den Samen der alten Bäume. Das morsche Holz hat aber den strengstens! allerstrengstens! geschützten Juchtenkäfer (das ist der, der auch Stuttgart 21 lahmgelegt hat) angezogen. Und er ist eingezogen. Blöd.

Blick aufs Schloss durch die Reste der Lindenallee
Blick aufs Schloss durch die Reste der Lindenallee

Nun werden die Linden zurückgeschnitten und mit Pfosten und Seilen aufwendig vorm Umkippen gesichert, aber das auch nur in den wenigen Sommerwochen zwischen Balz und Verpuppen der Käfer. Und dabei wird von wissenschaftlichen Käferbeauftragten mit Endoskopen im Holz nach Käfern gesucht, wie bei einer Operation.

Nicht, dass einer zu Schaden kommt oder seine Wohnung verliert. Also - die Käfer....

Das dauert. Aber 2017 wollen sie nun fertig werden, dann können die Bäume vielleicht wieder austreiben und die Gärtner mal wieder rasenmähen. Und die Touristengruppen stehen nicht mehr kopfschüttelnd vor dem Elend.