In diesem Jahr konnten wir am Sonntag ausschlafen. Kein Schützen-Dschingderassabumbum, das uns früh morgendlich weckte und dabei schliefen wir doch bei offener Balkontür.
Im dritten Programm lief wieder die Live-Übertragung des Schützenausmarsches, die Kommentatoren A. Kuhnt und J. Wolf saßen mit Distanz und unsachkundiger Meinung erneut im Studio. Warum? Früher saßen die Kommentatoren doch an der Strecke.
Könnte ich den Kommentar ausblenden, ich würde das tun, aber die übliche Geräuschkulisse des Ausmarsches ... wäre schon schade, wenn ich die nicht hörte.
So gelangten die Kommentarperlen zu mir:
'Dieser Verein kommt aus der List. Die List ist ein Stadtteil Hannovers, ländlich geprägt.' Die List ist so mittendrin, dass sie fast Hannover-Mitte ist und hat meines Wissens noch genau einen alten Fachwerkhof, dem Verfall preisgegeben.
Weiter: 'Langenhagen ist eine kleine Stadt bei Hannover - direkt vor den Toren Hannovers - es grenzt an Hannover.' Schon mal was von der Region Hannover gehört? Und die Bezeichnung 'Stadt' ist um 600 Prozent übertrieben.
Über das dörfliche Isernhagen, gottlob nicht als Stadt bezeichnet, hieß es: 'Dort wohnen die, die in Hannover arbeiten.'
Der Zweitkommentator bedauerte währenddessen, dass er nicht mitmarschieren konnte, weil er ja im Studio sitzen musste. Und das, wo er doch Schützenkönig sei.
Zur Schützenfest-Historie kam Folgendes: 'Das gibt es übrigens seit 1529, als irgendein Fürst oder so das Schießen auf einen Papageien erlaubte.' Das gehört präzisiert. Konkret hat 1529 Herzog Erich I. höchstschriftlich das Schießen auf einen Holzvogel und ein Fest drumherum erlaubt. Und vor ihm hatte bereits 1468 Herzog Wilhelm d. Ä. beklagt, dass die Männer, wenn sie Beef mit ihm hatten, auf einen Holzpapageien um die Wette schossen. Das Schießen diente damals übrigens der Verteidigung von Hab und Gut und Leben und nicht dem Feiern. Das Feiern kam erst ab 1529 und wurde schnell mit einer Festordnung und Schützenkönigen und allem Drum und Dran geregelt. Das Schützenwesen war geboren.