Ich versuche die Geschehnisse einzuordnen. Ich kenne Deutschlands Fußball mit Uwe Seeler, mit Beckenbauer, mit Gert Müller (der Bomber der Nation, mein Vater war großer Fan), mit Breitner, mit Netzer, immer waren Spiele der Nationalmannschaft eine sichere Bank, mindestens bis in Halbfinale ging es, wie bei unserem Sommermärchen. Und jetzt - in Bedeutungslosigkeit gefallen. Das ist schon die dritte Weltmeisterschaft, bei der Deutschlands Fußball sang- und klanglos untergeht.
Eigentlich - wir wollten ja sowieso nicht gucken, zu viel Vermarktung, zu viel Trump und anbetender Infantino, wir wollten nicht in der Nacht vorm Fernseher sitzen und die Tage gähnend durchhängen. Und haben dann doch geschaut. Schwach ist der Mensch und schnell schwinden die Vorsätze. Und nun ...
Aus. Vorbei. Die deutschen Fußballer fliegen (oder sind es schon) nach Hause. Ich hätte sie alle im Hotel behalten und erst einmal Tacheles geredet. Aber vielleicht macht man das nicht auf amerikanischem Boden und besser zu Hause in Deutschland ...
Deutsche Fußballfans suchen jetzt Ersatz, manche haben ja auch doppelte Staatsbürgerschaften, die haben es leicht - manchmal, manche haben ein Lieblingsland, so vom Urlaub. Es gibt vielerlei Gründe für die Wahl.
Frankreich liegt hoch im Kurs, auch bei uns. Und das nicht nur, weil wir die Provence lieben. Ich habe sie spielen gesehen, alles so locker und leicht und mal eben Tore schießen. Mit Frankreich geht man auf Nummer sicher. Im nächsten Spiel wäre Deutschland auf Frankreich getroffen, wäre eben dann da raus gewesen. So adoptieren wir Frankreich. Vive la France und les Bleus.