Oh, sie ist da. Die Schafskälte.
Meine bäuerliche Verwandtschaft hat den Begriff damit erklärt, dass in dieser Zeit besonders viele Lämmer geboren werden und die mögen es nicht kalt und nass. Die Schäfereien müssen sich dann sehr kümmern und wärmen, sonst ist die Sterberate hoch.
Ich mache Gartenarbeit, dafür ist es perfekt. Immer in den Regenpausen. Der Regen kommt unerwartet und heftig. Keine Wetterapp hat ihn parat und wenn doch, dann april-april, bleibt es trocken - oder es fallen nur einige Stipperchen, die auf dem Terrassenbelag gleich wieder verschwinden.
Ich fröstele. Gerade sind eine warme Jacke und eine Wolldecke nicht zu verachten.
Gut, dass die Menschenbabys drinnen geboren werden, zur Not läuft die Heizung, und gut, dass ihnen etwas angezogen werden kann.
Jeder, der etwas älter ist, so wie ich, liest zumindest am Wochenende die Familienanzeigen in der Tageszeitung. Ist Euch schon aufgefallen, dass dort kaum noch Hochzeitsanzeigen erscheinen? Und kaum noch 'Hurra-wir-haben-ein-Baby'-Anzeigen erscheinen? Ich hatte mir das gar nicht so bewusst gemacht, aber tatsächlich. Null.
Nun ist es ja nicht so, dass keine Babys mehr geboren werden. Aber wie gibt das stolze Elternpaar das bekannt? Nur noch SocialMedia-mäßig? Ach, auch das ist out? Wir hatten vor vielen Jahren noch eine Hochzeitsanzeige, noch Babyanzeigen und ich habe eine Menge kreative Energie auf das Layout verwendet. In allen kamen Katzen vor. So ändern sich die Zeiten.
Das Einzige was noch erscheint, scheinen die Todesanzeigen zu sein. Seitenweise. Wir sind inzwischen so weit
alt, dass wir nach uns bekannten Namen Ausschau halten. Jetzt gerade war wieder einer drin, ein Nachbar, Anfang Vierzig, Familienvater dreier kleiner Kinder, aus dem Leben heraus und
vorbei.
Wie geht man damit um, wenn man die Person nicht mochte, weil der nachbarschaftliche Umgang so unangenehm war? Wir sind geschockt, ja, wie man das ist, wenn jemand so plötzlich geht, und wegen der Kinder. Und nun?