Es hat sich herumgesprochen: Nicht nur in den Niederlanden blühen die Tulpen, nein, auch in Niedersachsen. Und so werden die Felder eines Bauernhofes (genau sind es 7 Höfe, die zusammenarbeiten), in der Pampa zwischen Gifhorn und Braunschweig gelegen, zum Sehnsuchtsort der Farbenthusiasten. Seit 2018 gibt es dort Tulpen. Und Tulpensträuße und -zwiebeln zum Kauf.
Damit Tulpenzwiebeln verkauft werden können und groß und stark werden, werden mit einer Maschine Millionen von ihnen in die Äcker gesetzt und dürfen aufblühen.
Die, die schön und stark genug sind, dürfen bleiben. Sie werden dann knapp unter der Blüte geköpft, dann geht die Kraft in die Vermehrung der Zwiebel. Die später verkauft werden kann.
Das Spektakel ist die Phase des Aufblühens und der geballten Farbe auf den Feldern.
Damit nicht alle Farbenthusiastinnen, weil mehrheitlich sind es junge Frauen, einfach so für Selfies zwischen die Tulpen rennen, und sie zertrampeln, gibt es den "Tag des offenen Tulpenfeldes". Ein Sonntag im Frühling, kurzfristig festgelegt wegen der Unwägbarkeiten von Wetter und Tulpen, von 10 Uhr bis 16 Uhr. Für die Millionen an Blüten, fürs mittendrin Stehen und Fotos machen.
Umsonst ist das nicht. 6 Euronen verlangen die Bauern. Dafür gibt es Ordner, die auf die Tulpen und Menschen und Hunde aufpassen, Dixi-Klos und Parkplätze, Grillwürste und Eintopf (aus Dosen vom Aldi), Tulpensträuße zum Kaufen. Die Organisation des Spektakels ist tipptopp und reibungslos. Wer eine Eintrittskarte erworben hat, erhält einen 5-Euro-Gutschein für den Hofladen (und nur für den Hofladen!), der 6 Kilometer entfernt Kaffee und Kuchen und Spargel und auch Tulpen bietet. Wenn man hinkommt - denn alle wollen hin, Gutschein einlösen, und der Autostau ist 6 Kilometer lang.
In diesem Jahr war es der 26ste April. Das Wetter war phantastisch sonnig und fast wolkenfrei. Der Wind hatte sich gelegt, zum Glück. Die Familie war halbert Zehn schon da, parkte in guter Nähe, aber da war auch schon eine ganze Anzahl Menschen vor ihr. Große Staubwolken verrieten die einparkenden Wagen. Die Tickets wurden während der Autofahrt online gekauft, der Code am Eingang vorgezeigt und - drin. Direkt an den Feldern, jedes 600 Meter lang.
Diese Farbintensität ist beeindruckend: gelb und weiß und rot und lila und rot mit weißem Rand ... Und vergänglich, einen Tag später sollte mit dem Kappen der Blütenköpfe begonnen werden.
Es sind lange Felder, dazwischen schmale Wege, die nicht verlassen werden dürfen. Nicht! Auch nicht von den Hunden! Auch nicht von den Selfie-Jüngern und Selfie-Influencern! Von denen gab es jede Menge und es wurden immer mehr. All die Menschen, aus ganz Deutschland übrigens, einige Kennzeichen der Autos kannten wir nicht ... Viele indische Menschen waren da, Touristen? 10.000 Eintrittskarten sollen verkauft worden sein, sagte der NDR im abendlichen Filmchen. Der NDR, schon drinnen bevor alle Zahlenden hinein gehen durften, der deshalb Aufnahmen von menschenleeren Tulpenfeldern zeigen konnte. Der sich von hinten an die Familie anpirschte und filmte. Darauf angesprochen hieß es, das sähe so so schön aus und 'ach, Sie wollen nicht ins Fernsehen?' Nein, nicht und auch nicht zum Hofladen.
Die Rückfahrt nach 3 Stunden Tulpen-mit-Menschen war staufrei. Wir standen dann vor den Tulpen im Garten und waren uns einig: Es sind nicht so viele, aber jede einzelne Blüte ist schöner.