Auf dem Lindener Bergfriedhof blühen heuer wieder die Scillas. Irgendwie denke ich jedes Jahr erneut, dass es nicht so blau sei wie in den Vorjahren. Der beste-Ehemann-forever denkt das auch. Aber vielleicht trügt unsere Erinnerung? Die wird ja auch nicht besser mit den fortschreitenden Jahren.
Wir waren also da, einmal mitten durch die Stadt gefahren, durch das Lindener Gewimmel an Menschen, an Autos, an Fahrrädern, mitten drin die Busse und die Straßenbahn. Nie würde ich nach Linden ziehen, viel zu eng und zu voll ist es mir da. Vielleicht liegt auch das an den fortschreitenden Jahren? Nein, das war schon immer so.
Auch auf dem Friedhof war es voller Menschen, obwohl doch Wochentag war. Aber die Sonne schien, die blauen Flächen lockten, erstaunlich wer da so alles Zeit hat. Ein Kleinbus stand vor dem Friedhofsportal, das Kennzeichen wies nach Dresden. Der Fahrer erklärte gerade seinen teils staunenden, teils gelangweilten Fahrgästen, alle älter als ich, wie das große alte Küchengarten-Tor zum Friedhofstor wurde, damals als die Preußen die Macht in Hannover übernahmen und die Welfen ins Exil gingen und der alte Küchengarten aufgegeben wurde.
Wir gingen hinein, die Stimme des Fahrers war noch weit über den Bergfriedhof zu hören. Rund um den großen Engel waren zwei Erwachsene und eine ganze Gruppe Kleinkinder, die die Wege entlang liefen und spielten. Ein älteres Ehepaar führte den Hund spazieren. Vögel und Eichhörnchen hatten sich verzogen.
Friedhofsruhe - einige Familien haben immer noch Bestattungsrechte auf diesem Friedhof. Hunde sind generell nicht erlaubt auf hannoverschen Friedhöfen, ich wies das Paar darauf hin, am Eingang sind die Benutzungsregeln ausgehängt, da gingen sie.
Seit Sonntag laufen hier die Scilla-Blütenwochen (bis zum 29. März übrigens), an den drei Sonntagen ist rund um den Bergfriedhof Remmi-Demmi mit Ausstellung im Pavillon und offenen Biergärten und Cafés, in der Sternwarte und am Wasserturm. Und danach werden die Scillas verblüht sein und es wird wieder Friedhofsruhe einkehren.