Freitag - Ellitag. Das Schlimme waren die Windböen, die den kalten Schnee fein verwirbelten und in jede Ritze pusteten. Im Windschatten der Erker und Hauswände türmte es sich. Der Wind kühlte alles aus, uns auch. Nachts ging (und geht) es ins zweistellige Minus. Der ständige Schneefall und das wiederholte Schneeschieben brachten uns an die Fitness-Grenzen. Am Samstag hörte das Schneien endlich auf, da fror es nur noch. Und heute am Sonntag legte sich frostiger Nebel über Hannover, der alles zusätzlich mit Eis überkrustete.
Aber ansonsten ist es eben Winter und Schnee, Schnee und Winter. Wir haben uns das in den letzten Jahren ziemlich abgewöhnt, aber in meiner Erinnerung sind viel heftigere und längere Schneezeiten hier in Hannover. Der Schneeräumdienst kam auch damals erst nach einer Woche in unser Viertel. Klein-Sibirien sagten wir dazu und - uns selbst beruhigend - dass alles ganz easy sei, wenn wir erst einmal aus dem nächsten Weg hinaus wären. Klein-Sibirien hatten wir schon lange Jahre nicht mehr. Aber jetzt.
Erwartungsgemäß fuhren am Freitag irgendwann keine Eisen- und Straßenbahnen mehr, flogen keine Flugzeuge mehr, wurden Straßen wegen Schneewehen gesperrt. Gar nicht weit von hier auch, die Fahrbahn wie Seife und selbst die Busse in Schwierigkeiten.
Die Familienjugend war am Donnerstag zu einem Kongress nach Lyon geflogen und sollte am Freitagabend zurückfliegen, wurde nach München umgeleitet, dort war kein Fitzelchen Schnee, und saß dort fest, übernachtete im Hotel und kam erst Samstagmorgen zurück. Wie angespannt ich gewesen war, merkte ich erst als es hieß: "Bin angekommen."
Als das Schneien aufhörte wurde es kalt und kälter. Minus 12,5 Grad Celsius. Und glatt. Hannover hob das Streusalz-Verbot für Privat auf, mit 'Augenmaß' sollten wir das Salz streuen, bitte, aber der Gefahr für Leib und Leben der Hannoveraner und -innen zu begegnen sei wichtiger als Umweltbedenken. In den Baumärkten war das Salz innert kurzer Zeit ausverkauft. Ich ging ins Gartenhaus und holte den Eimer, der dort ungeöffnet seit 25 Jahren gestanden hatte, heraus. Salz verdirbt nicht. Wie angekündigt wurde es glatt. Nimm das.
Mit Sonnenaufgang, tatsächlich sahen wir kurz die Sonne, klopfte es an die Balkontür. Zwei Eichhörnchen tobten über den Balkon: "Frühstück, bitte bitte, Hunger." Es passiert nicht oft, dass sie vor der Tür sitzen und auf Nüsse warten. Ich quälte mich hoch und versorgte sie und die Vögel: Nüsse, Kerne, Äpfel, Weintrauben, Wasser. Bis die Bäuchlein rund waren.