Die Medien hatten vorgewarnt, es würde ganz, ganz schlimm werden, der Schnee oh oh, der Sturm oh oh, wir Menschen sollten um Gottes willen zu Hause bleiben, Homeoffice machen, nur nicht auf die Straßen wagen. Die Schule fiel aus. Noch am Donnerstagnachmittag stürmten die Hannoveraner die Supermärkte und füllten Küche und Keller mit allem, was für dieses Extremwetter benötigt wurde. Jeder, der in Hannover und Umland irgendeine offizielle Funktion hat, durfte in den Medien seine Sorge um die Menschheit bekunden. Und stellt Euch vor, der Oberbürgermeister sagte in letzter Minute den Neujahrsempfang im Rathaus ab, allerdings erst nachdem die Ratsparteien ordentlich Druck gemacht hatten. Wir standen still.
Wir wachten am Freitagmorgen in einer weißen Welt auf. Schnee klebte von außen auf den Fensterscheiben, die nicht durch Rolläden geschützt gewesen waren, also bei den Fenstern der Schlafzimmer im ersten Stock. Schnee lag auf dem Balkon, der ja überdacht ins Haus hinein gebaut ist, und eigentlich ... aber der starke Wind wehte den Schnee vom Dach herunter, verwirbelte ihn und dann landete er auf allem, auf dem Balkonteppich, auf den Stühlen, auf dem kleinen Tisch, auf dem Schränkchen. Oh ja, die Schneepeitsche Elli (n-tv Wortschöpfung) war in der Nacht angekommen.
Während ich den Balkon von der weißen Pracht befreite, vor allem das Schränkchen in der Ecke, auf das dann das Frühstück für die wartenden Hemmis kam, währenddessen rüstete sich der
beste-Ehemann-forever für einen Ausflug zum Nordpol aufs Sträßchen vors Haus. Ausgerüstet mit unserem
besten Schneeschieber.
15 Zentimeter Neuschnee. Ich glaube, diese Mengen hatten wir vor 15//20 Jahren das letzte Mal, damals türmte sich der Schnee an den Seiten des Wegs und auf den Straßen, wir wussten gar nicht wohin noch damit und ich steckte in einem Parkplatz fest, bis eine freundliche Anwohnerin mir eine Zeitung unter die Reifen legte. Inzwischen und auch deshalb fahren wir Allrad und ABS und konnten so mitten im Extremwetter easy Einkaufen fahren. Leer war es auf Parkplätzen und in den Geschäften. Damals lag so viel Schnee, dass der Sportlehrer der Schule der Kinder auf Skiern zum Job kam. Und nein, das war nicht die viel beschworene Schneekatastrophe vom Jahreswechsel 1978/79. Da ging mir der Schnee bis über die Knie.
15 Zentimeter erforderten eine dreiviertel Stunde Schippen, dann war unser Sträßchen befahr- und die Haustür erreichbar. Am Erker hingen Eiszapfen, auf der Garage türmte sich eine Schneeverwehung - egal. Die Büsche und Bäume bogen sich - egal. Wir hatten fertig.
Dummerweise schneite es den ganzen Tag lang weiter. Noch einmal hinaus, noch einmal 8 Zentimeter, noch einmal 5 Zentimeter, noch einmal ... Zuletzt summierte es sich auf geschätzte 30 Zentimeter. Schnee wird maßlos überbewertet.