Wir nutzten einen freundlichen Tag und fuhren bei 6 Grad Celsius ins Springer Wisentgehege. Wir fuhren über die Dörfer, durch schöne Baumalleen, alles verfärbte sich gerade. Ich glaube in Rehren war ich noch nie zuvor, obwohl es doch zur Region Hannover gehört ...
Der große Parkplatz gegenüber dem Wisentgehege war erst zu 20 Prozent gefüllt, Kinderwagen wurden ausgeladen und Kinder kältesicher verpackt. Wir parkten nah am Eingang und zeigten an der Kasse unsere vorab gekauften Tickets, schließlich hatten wir ursprünglich vorgehabt zum Hubertusfest zu fahren, das dann wegen Sturm ausfiel. 'Ratsch' machte die Dame an der Kasse und warf die durchgerissenen Tickets in ihren Papierkorb. 'Äh' sagte der beste-Ehemann-forever, 'bekommen wir nichts wieder?' Ob wir dächten, damit noch einmal hereinzukommen. Nichts da. Hahaha lachte die Kassendame. Und ich dachte nur, dass jedes Ticket doch einen Abschnitt zum Abreißen hat und ich den Rest wiederbekomme. Zumindest überall sonst. Schon zur Erinnerung ...
Wir hielten uns hinter dem Eingang links und gingen am Café vorbei, kehrten erst später dort ein. Auf den Tischen stehen Schilder: "Der Verzehr von mitgebrachten und nicht hier gekauften Getränken und Speisen ist nicht gestattet." Ich habe noch nie gesehen, dass dort alle Tische besetzt waren, sicherlich liegt das an den Preisen und an der Qualität des Heißgetränks für 4,20 Euronen (Cappuccino, kleine Tasse, große gibt es nicht). Und am langen Anstehen. Aber die Pommes sind ganz ordentlich.
Zum Café gehört eine schwarze Katze. Kater und Katze der Wildkatzenfamilie präsentierten sich ein Stück weiter des Wegs den Besuchern. Sie drehten uns meistens den Rücken zu oder schlossen die Augen. Lasst uns bloß in Ruhe, hieß das wohl. Von den Jungtieren des vorletzten Sommers war nichts mehr zu entdecken.
Die Wölfe neben der Bärenanlage schliefen und dösten. Wir ließen die schmuddeligen Wildschweine rechts liegen und gingen zur Köhlerhütte, wollten von dort durch den Wald zum Dam- und Rotwild und den Wisenten. Am Tor waren 'Betreten Verboten' Schilder und Übersichten, wo Besucher überall nicht hindürften. Die Tage zuvor hatte es gestürmt, aber nun war es fast windstill, warum also ... wurde das Abhängen der Schilder vergessen? Wir beschlossen, nicht als Einzige, weiterzugehen und die Schilder zu ignorieren.
Es gab noch viele Schilder: 'Bitte verlassen sie nicht die Wege' zum Beispiel, eines davon im Rücken wurde es von einer Familie tapfer ignoriert und mit Kleinkind ins Unterholz gestapft, weil dort Damwild stand. Um dann empört festzustellen, dass es sich nicht streicheln lassen wollte. Und ging.
Der Luchs war nicht da. Wieder einmal. Mir fiel ein, dass ich noch nie den Luchs gesehen habe, immer nur die Schilder am Zaun. Vielleicht gibt es gar keinen und nur ein leeres Gehege und Schilder mit Fotos von irgendeinem?
Fischotter Nemo war nicht da, die übrigen Otter, die am kleinen Teich zwischen Vielfraß und Vogelvoliere wohnen, waren auch nicht da. Der Vielfraß übrigens auch nicht und die Waschbären auch nicht. Und die Braunbärin war wohl schon im Winterschlaf.
Die Wisente sahen wir von ferne. Die Elche drehten uns konsequent den Rücken zu. Darum war der Falkenhof wie ein Streicheln der tierliebenden Seele. Gerade war eine Show am Fliegen, wir hatten den Anfang verpasst, aber egal. Es war nett.
Im Nachhinein kam das große Wundern. Wir hatten im Café Wild mit Karte bezahlt und einige Tage später erschien die Abbuchung auf unserem Konto. Absender der Abbuchung und einziehendes Konto waren 'Cafe Wild Wiesengehege Springe'. Wiesengehege? Peinlich.