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Träume in die Kinderzeit

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Sylvia Keese

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  letztes Update am 17.11.2017

 

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Geschichte und Geschichten

Sa

28

Okt

2017

Leibniz und so

Das Wetter war - und ist - Grau. Wir fuhren in die Stadt, Hannovers Altstadt, um mal ein etwas anderes Grau zu sehen und weil im Gebäude der Volkshochschule eine Ausstellung aufgebaut war, die ich 2016 im Neuen Rathaus verpasst hatte: "Leibniz in bester Gesellschaft" über Leibniz und wichtige Personen seiner Biographie und Korrespondenz.

Das Grau blieb. Sie hätten die Ausstellung auch im Hauptbahnhof aufbauen können, da hätten die durchlaufenden Menschen weniger gestört - klackediklack machten die Absätze auf dem Fliesenboden - ,die Technik der Hörproben und Bildschirme funktionierte sowieso nicht. Eigentlich bestand die Ausstellung nur aus Infoaufstellern zum Lesen, deren Text es übrigens auch als pdf zum Herunterladen gibt. Fürs heimische Sofa.

Hannover Altstadt
Laternen am Hohen Ufer und Blick von der Schlossstraße zum Neuen Rathaus

Also habe ich etwas an der Leine, die an der Altstadt vorbeifließt, fotografiert.

Der alte Witz: "Wo gehen die Frauen mit ihren Männern an der Leine spazieren?". Heute-Show-Niveau. Und übrigens, Herr Welke, wer aus Bielefeld kommt, sollte nicht mit Plattheiten über Hannover herziehen.

Früher gab es in der Leine eine Insel, dicht und hoch mit Fachwerkhäusern bebaut. Als nach dem zweiten Weltkrieg die Innenstadt neu aufgebaut werden musste, schüttete man den einen Leinearm zu, die Insel verschwand, und legte darüber die Straße Leibnizufer an.

Hannover Hohes Ufer
Leine - Hohes Ufer - das Historische Museum mit Beginenturm und Zeughausmauer - ganz links der Mann mit Pferd
Weihnachtsmarkt an der Zeughausmauer im Dezember 2016
Weihnachtsmarkt an der Zeughausmauer im Dezember 2016

Auf der gegenüberliegenden Leineseite verläuft das "Hohe Ufer", Flanierstraße für Fußgänger, Uferpromenade. Hier wurden in alten Zeiten die Pferde zum Baden an den Fluß gebracht, daran erinnert seit 1957 die Bronzeskulptur "Mann mit Pferd".

Hier steht auch der Beginenturm, ein Rest der alten Stadtbefestigung, 600 Jahre älter als Bronzepferd und -mann. Daneben die alte Zeughausmauer aus dem 17. Jahrhundert. Und beides ist heute Teil des Historischen Museums.

An der Wand ist in Leuchtschrift ein langes, langes Leibnizzitat angebracht. Während des Altstadt-Weihnachtsmarktes im Dezember ist eine gute Gelegenheit, es zu lesen. Leibniz everywhere.

2016 war übrigens Leibnizjahr.

Hannover Schlossstraße Torpfeiler
Die Schlossstraße führt über die Leine in die Altstadt. Alte Torpfeiler von 1833 wachen über sie und uns.

Leibniz war ein großer Briefeschreiber. Was hätte er wohl zu den Möglichkeiten des Internets gesagt? Hätte er einen Blog geschrieben? Getwittert? Facebook? Schließlich war er innovativ, er erfand die ersten Rechenmaschinen und die dualen Zahlen 0 und 1. Grundlage für unsere Computer. Er lebte von 1646 bis 1716 - manche Dinge brauchen eben ihre Zeit. Er entwickelte die Infinitesimalrechnung und Analysis - Dinge, die so manche meiner Mathematikstunden überschatteten.

Leibniz Korrespondenz, die vielen Briefe, die wir hier in Hannover haben, ist seit 2007 ein Unesco -Weltdokumentenerbe. Wie gut, dass er noch mit Stift und Papier schrieb ...

Hannover Altstadt
die Leine in Richtung Marstallbrücke -nochmal Beginenturm -hinter der Seitenmauer des Historischen Museums der Turm der Marktkirche

Welterbe, das ist alles, was für uns als Menschheit bedeutend ist: Überlieferungen, Natur, Orte, Dokumente, Kunst und was sonst noch bewahrt und beschützt werden muss für kommende Generationen und unsere Spezies überhaupt.

Unesco, das ist .........

nochmal ...

Unesco, das ist eine Organisation der UN für Bildung, Wissenschaft und Kultur. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg erkannte man, dass der Mensch pädagogische Betreuung braucht. Seit 1945 soll die Unesco das wechselseitige Verständnis zwischen den Nationen fördern, denn: „Ein ausschließlich auf politischen und wirtschaftlichen Abmachungen von Regierungen beruhender Friede kann die einmütige, dauernde und aufrichtige Zustimmung der Völker der Welt nicht finden. Friede muss – wenn er nicht scheitern soll – in der geistigen und moralischen Solidarität der Menschheit verankert werden.“ und „Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.“

Schon die Gründungsstaaten waren eine bunte Mischung aller Kontinente, heute sind es (noch bis Jahresende, denn dann mögen die USA und Israel nicht mehr) 195. Nicht unkompliziert, schließlich ist Geld im Spiel und Macht durch Einflußnahme und Selbstüberschätzung und Intoleranz gegen andere. Wie war das doch mit der Solidarität und dem Geist? Es gibt noch viel zu tun.

 

So

20

Aug

2017

aus einem fernen Land

Lust, mal etwas Schönes anzuschauen, etwas Altes, etwas Wertvolles? Auf eine Geschichte? Dann ist es Zeit für einen Ausflug zu Hannovers Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek in der Welfenstraße. In der kleinen feinen Ausstellung "Drei Länder, zwei Könige und ein Missverständnis - der Goldene Brief" kann man noch bis zum 29.03.2018 einen Blick auf einen Teil des hannoverschen Weltdokumentenerbes werfen: den Goldenen Brief, den ein birmanischer König 1756 an den englischen König Georg II., gleichzeitig Kurfürst von Hannover, schickte. Ganz entspannt, ganz umsonst und ohne Gedränge, nicht wie 2011 in der Kestnergesellschaft, als wir das erste Mal diese wohl wertvollste Post, die man bekommen kann, sehen durften: Einen Brief aus Gold, besetzt mit Rubinen, in einem "Briefumschlag" aus Elfenbein, geschrieben vor 261 Jahren

Goldener Brief des Alaungphaya
100 Gramm Brief: fast reines Gold mit 24 birmanischen Rubinen

in einem fernen Land. Die Briten nannten es Burma, die Deutschen Birma. Seit sich das Land 1989 eine Verfassung gegeben hat, heißt es (das r bitte nicht mitsprechen und die erste Silbe betonen) Myanmar.

Wer weiß, wo es liegt? Atlas heraus, Asien aufschlagen, links von Thailand, rechts von Indien und Bangladesch, oben drüber liegt China, und der Himalaya, mittendrin ein langer Fluss mit großem Delta, eine lange Küstenlinie und viele Inseln im Indischen Ozean: da ist Birma. Rangun ist wohl die bekannteste Stadt - war da nicht mal was mit Film?

Birma war ganz, ganz früher ein Flickenteppich von kleinen Königreichen und Fürstentümern, einer bekriegte den anderen, es ging wie immer um Macht und Geld. Bis einer übrig blieb. Und dann stritten sich die Nachkommen untereinander. Auch die Nachbarländer mischten mit.

ein besonderer Kupferstich - der Stammbaum Kurfürstin Sophies, Großmutter Georgs II.
ein besonderer Kupferstich - der Stammbaum Kurfürstin Sophies, Großmutter Georgs II.

Schließlich kamen die Briten und nach drei Kriegen (der erste war 1826, da war Georg IV. König von Hannover und England) war Birma 1886 Teil von Britisch-Indien und Kolonie. Erst 1948 wurde es in die Unabhängigkeit entlassen. Die begann vielversprechend demokratisch und endete im Militärregime mit Abschottung gegen die übrige Welt. Und erst seit einigen Jahren bewegt sich das Land langsam, langsam auf eine Demokratie und globale Öffnung zu.

Friedlich war und ist es eigentlich nie in diesem Land der vielen ethnischen Gruppen. Aber Birma, Verzeihung - Myanmar braucht Geld und kurbelt deshalb den Tourismus an. Die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes sind drei Meter lang, klingen mehr nach Abenteuerurlaub als Erholung und enden mit der Aufforderung, sich in eine Krisenvorsorgeliste einzutragen, damit im Falle eines Falles... Denn da gibt es ja auch noch so etwas wie Erdbeben.

Einer, der es schaffte, bei den Machtkämpfen alle auszuschalten und ganz Birma zu regieren, war König Alaungphaya. Er wurde 1714 in kleinen Verhältnissen geboren und war Verwaltungsbeamter auf dem Dorf, Dorfvorsteher. Aber dann wurde er zum Shootingstar. Die letzten 8 Jahre seines Lebens (er starb 1760) lief es für ihn. Wie war er? ein Militär? diplomatisch? mit Ausstrahlung auf Menschen? ein gewiefter Taktierer? Angeblich war er ein Kontrollfreak und, glaubt man seiner Statue, ein durchtrainierter Kämpfer. Er gründete seine eigene Dynastie, die Konbaug, sein Symbol war der göttliche Hamsavogel, ein ... hmm ... Schwan? Taube? Pfau?.

Goldener Brief des Alaunphaya
mit so einem Segelschiff, der "Walpole" reiste der Brief von Rangun nach London

Um seine Ziele zu erreichen brauchte Alaungphaya dringend ausreichend Waffen und die hoffte er vom Herrscher in London zu bekommen, d. h. von König Georg II. Die britische Handelskompanie war dabei, in Birma eine Niederlassung zu gründen, "Negrais", um Erlaubnis zu fragen hatten sie vergessen, aber darüber würde er trotz seines Misstrauens gegenüber den Briten, die sich auf diese Art schon in Indien breitgemacht hatten, großmütig hinwegsehen. Selbstverständlich nahm er an, dass der ferne König in derselben Weise regieren würde wie er selbst, Kontrollfreak ;), die britische Bürokratie kannte er nicht.

Und dachte wohl, schreib ich ihm, so von König zu König und damit er gleich sieht, mit wem er es zu tun hat, mit den kostbarsten Materialien. Voller Freundschaftsangebot und Nettigkeit, erstmal. Und der Erlaubnis zur Handelsniederlassung, als Geste, so tun als ob. Eine Forderung nach Waffen als zweiten Schritt, nur mündlich, nicht schriftlich.

 

Der Text wurde sorgfältig entworfen, in birmanischer Sprache geschrieben und vorsichtshalber gleich eine Übersetzung (wer die wohl gemacht hat?) beigelegt. Ein umsichtiger Mann dieser Alaungphaya.

Goldener Brief des Alaungphaya
so sieht birmanische Schrift aus - Rundungen, denn man schrieb auf leicht reißenden Palmblättern (unten links) - eingeprägt in Gold: Detail des Brieftextes - zu lesen bitte von links nach rechts

Damals war der Briefbogen auch nicht zerknittert, nicht eingerissen und besser lesbar. Vorsichtig ist man erst in den letzten Jahren damit umgegangen. Und die alte Übersetzung ist futsch.

Es brauchte, bis die Post am englischen Hof  zugestellt war. Und dann - der Brief versackte im Ablagekörbchen der Verwaltung, Georg las zwar - aber was sollte er damit - wer war denn schon dieser noname-Absender - was denn, antworten? - na vorsichtshalber ab damit in die Heimatstadt, nach Hannover. Dort wurde aber zu unserem Glück sorgfältig abgelegt. Und ich sag mal nichts über die deutschen Beamten an Georgs Hof.

Alaungphaya muss tief gekränkt gewesen sein als keine Antwort kam. Er fragte sogar nach, so wie wir das heute bei Behörden tun, wenn sich lange nichts rührt und wir langsam sauer werden. So wie er. Für die britische Niederlassung Negrais in Birma bedeutete das ein blutiges Ende. Erst einmal.

Goldener Brief des Alaungphaya
links und rechts je 12 taubenblutrote Rubine aus einer birmanischen Mine, links der Hamsavogel als königliches Signet - Rubine - der Briefumschlag: ein ausgehöhlter Elefantenstoßzahn

In der Ausstellung erfahrt Ihr viel über den Brief, wie er entstand, was alles drin steht, warum die Schrift so ungewohnt rund aussieht, welchen Weg er nahm bis er hier in Hannover ankam und warum - und welcher Schwachkopf ihn 1768 beschädigt hat. Und wie er "wiedergefunden" wurde. Und lest bitte im Brieftext, wie Alaungphaya sich selbst definiert - köstlich... Außerdem zeigt sie wunderschöne Exponate, die alles abrunden, nicht so golden, aber (fast) genauso wunderbar. In der Eingangshalle gibt es einen Flyer mit den Texten der Ausstellung, unbedingt mitnehmen.

Denn wenn meine Sicht der Dinge zu subjektiv und fehlerhaft sein sollte, da steht es richtig.

Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Bibliothek Hannover
Schätze der GWLB: Royal Vinegar Bibel Georgs I. mit Druckfehler: das Gleichnis vom Weinberg=Vineyard wurde zu Essig=Vinegar - Stundenbuch Heinrichs VIII. - orientalische Handschrift

Der andere Teil des hannoverschen Weltdokumentenerbes ist die Korrespondenz, die unser großer hannoverscher Gelehrte Leibniz geführt hat. Natürlich wird auch sie in der GWLB aufbewahrt.

Und diese Fotos zeige ich mit der freundlichen Genehmigung der GWLB.

 

So

07

Mai

2017

Entschärfung

In Hamburg wurde Hafengeburtstag gefeiert, Schleswig-Holstein wählte sich einen neuen Landtag, Frankreich wählte sich einen Präsidenten. In Hannover gab es nur ein Thema: die Entschärfung einer Reihe alter Bombenblindgänger auf einem Grundstück in der Stadt.

Seit Wochen dominierte es die Zeitungsberichterstattung, wir waren bestens informiert über die große Baustelle in Vahrenwald, über die vielen Verdachtspunkte (anfangs 12) und erste Erkundungen, wo denn tatsächlich Bomben liegen könnten, über das große Areal, das von den Hannoveranern (ca. 50.000) für die Entschärfung verlassen werden musste und über die Angebote in der Stadt zum Vertreiben der Zeit, bis alle wieder in die Wohnungen durften.

Hannovers Innenstadt von der Kuppel des Neuen Rathauses aus
Hannovers Innenstadt von der Kuppel des Neuen Rathauses aus

Wir haben in Hannover schon viele Entschärfungen erlebt, manchmal ging die Evakuierungszone bis zur nächsten großen Kreuzung und manchmal auch mussten die Menschen von jetzt auf gleich aus den Wohnungen und die Nächte in Sammelunterkünften verbringen oder wie unser Sohn schnell zu uns Eltern.

Aber daran gewöhnt haben wir uns nie.

Auch wenn sich eine gewisse Routine entwickelt hat... das ist nie "same procedure as every year", sondern eine sehr gefährliche Sache und deshalb ist der HAZ-Liveticker zur Bombenentschärfung bei uns so ziemlich der einzige Ticker, der jedesmal die ganze Zeit läuft.

 

Wir hatten dieses Mal fest damit gerechnet, dass unsere Tochter den Tag bei uns verbringen müsste, aber die Grenze der Evakuierungszone verlief tatsächlich 2 Häuser von ihr entfernt. Sie konnte vom Balkon aus die Absperrmaßnahmen verfolgen und die Übertragungswagen der Fernsehanstalten sehen und ungewohnte Stille mitten in der Stadt empfinden. Bis die erleichternde Nachricht kam: drei Blindgänger entschärft.

Hannover Stadtmodell
Modell im Neuen Rathaus: Hannovers Innenstadt 1939 vor den Bomben des zweiten Weltkriegs - das Neue Rathaus steht links im Bild

Diese Bombenfunde in unserer Stadt bringen den Krieg ins Gedächtnis zurück, den Krieg vor unserer Haustür. Die ganze Schrecklichkeit und Zerstörung, auch in den Herzen der Menschen und den Köpfen. Krieg geht nicht spurlos vorbei, denn Krieg ist kein Computerspiel. Die Halbwertzeit der Kriegsfolgen, wie lang ist sie? Auch wenn die, die den Krieg direkt erlebt haben, wie meine Großeltern und Eltern, nicht mehr leben, müssen die Kinder und Enkel und Urenkel und Ururenkel und... mit den Folgen leben. Und das Schlimmste ist, die Menschheit ist noch immer nicht erwachsen.

Hannover Stadtmodell
noch ein Modell aus dem Neuen Rathaus: Hannovers Innenstadt 1945 nach dem Bombenkrieg, das Neue Rathaus diesmal im Vordergrund des Bildes

1941 wurde der erste große Luftangriff auf Hannover geflogen und der letzte im März 1945. Es waren 125 Luftangriffe, Tausende von Bomben fielen und geschätzt ein Fünftel von ihnen explodierte nicht. Niemand weiß, wieviele noch in Hannovers Boden liegen und die Gefahr, dass sie von selbst detonieren, wird, je älter sie werden, immer höher. Vor einigen Jahren wurde im Viertel nebenan eine Bombe direkt vor der Terrasse eines Einfamilienhauses entschärft...

Niemand auf dieser Welt sollte sich dafür feiern, dass er eine Bombe abgeworfen hat.

 

Di

28

Mär

2017

Frühlingsboten

Wenn es langsam Frühling wird und die Sonne an Kraft gewinnt, die Böden wärmer werden und das erste Grün sprießt, dann ist es Zeit, die Kamera zu schnappen und einen langen ausgedehnten Spaziergang in der Eilenriede zu machen.

Hannover Eilenriede
Eilenriedeimpressionen
Hannover Eilenriede

Die Eilenriede ist unser hannoverscher Stadtwald.

 

Er ist für Hannoveraner so wichtig, wie der Centralpark für einen New Yorker - nein, das stimmt nicht, wichtiger. Denn in frostkalten Nachkriegswintern hat sein Bruchholz so manchen Hannoveraner vor dem Erfrieren gerettet. Außerdem ist er größer als der Centralpark (6,4 Quadratkilometer), hat mehr und längere Wege (130 km, auch Reitwege) und er hat Liegewiesen, Spielplätze, einen Rodelhügel, einen Trimmdichpfad, etliche Denkmäler, Brücken und so viele Bänke, dass man immer eine zum Ausruhen findet.

 

Und er ist viel älter.

Hannover Eilenriede Buschwindröschen
Buschwindröschen in der Eilenriede
Hannover Eilenriede

Die Keimzelle der Eilenriede war ein sumpfiges, von Erlen bestandenes Waldgebiet, ungeeignet zum Bebauen, das 1371 "großzügig" der Stadt geschenkt wurde. Mit der Auflage, den Wald zu hegen und zu pflegen und zu erweitern. Das hat Hannover seitdem sehr erfolgreich getan und mit den Jahrhunderten ist aus einem Nutzholzwald und Viehweide ein Frischlufterholungsbereich und Naturwald für uns Hannoveraner geworden, in dem man einfach vergisst, dass man mitten in der Stadt ist. Da zwitschern die Vögel, klopft der Specht und die Blätter rauschen im Wind.

Und dazwischen wiegen die Buschwindröschen ihre Köpfe.

Hannover Eilenriede Buschwindröschen
Buschwindröschen

Seit einigen Jahren schon wollte ich zur Buschwindröschenblüte in die Eilenriede und Fotos machen. Und jedesmal war ich zu spät. In diesem Jahr hat es nun geklappt, da waren sie, und wir mussten gar nicht weit von der Straße aus in den Wald hinein gehen.

 

Buschwindröschen (lateinisch heißen sie Anemone nemorosa) sind Frühjahrspflanzen, die blühen, wenn die Bäume noch kein Laub tragen, und die ihr eigenes Laub schon im Frühsommer wieder einziehen. Dann ruht ihr Wurzelwerk, die Rhizome, in der Mulchschicht im Boden und wird am besten bis zum nächsten Jahr nicht gestört. Im Garten meiner Eltern wuchsen die Röschen unter unserem Kirschbaum und keiner wusste, woher sie gekommen waren.

Hannover Eilenriede
Die Figur in der Mitte wurde von U. Meinholz aus dem Stumpf einer Eiche geschnitzt - lt. Künstlerin ein Faun, der eine Eichel hält - oder ein Osterei?

So

05

Mär

2017

Noch ein wenig Ägyptisches

Ägypten - unsere Bundeskanzlerin war grad da - Nachrichtenbilder mit den Pyramiden im Hintergrund - ob sie drinnen war? Denn - wer interessiert sich nicht für das alte Ägypten? Für Pharaonen, Pyramiden, Obelisken und die Sphinx, der Obelix die Nase abgetreten hat? Für Mumien, die nicht zurückkehren? Im 19. Jahrhundert war Ägypten wahnsinnig angesagt, wer auf sich hielt, fuhr hin und brachte sich etwas mit. Eine kleine Mumie zum Beispiel, die dann auf einer Party gemeinsam ausgewickelt wurde. Oder man nutzte Ägypten für die Werbung, so wie Bahlsen das TET-Symbol.

Als 1922 das Grab des Pharaos Tutanchamun gefunden wurde, katapultierte das den Ägyptenhype in ungeahnte Höhen.

Als ich vor vielen, vielen Jahren von meinem Onkel (den ich sehr bewunderte, weil er Archäologe und Ausgräber war und ich in seiner Tätigkeit so etwas wie Schatzsuche sah) das Buch "Götter, Gräber und Gelehrte" bekam, erwischte es mich auch. Dieses Buch erzählte mir wie ein Roman alles über die Ausgräber der alten Kulturen im Mittelmeerraum und über das Grab des Tutanchamun im Tal der Könige. Spannend.

meine Souvenirs der Tutanchamun-Ausstellung
meine Souvenirs der Tutanchamun-Ausstellung

Und so fand ich mich an einem Spätsommertag des Jahres 1981 in einer langen Schlange vor dem Museum August Kestner und wartete darauf, zur Tutanchamun-Ausstellung hereingelassen zu werden. Zur echten Tutanchamun-Ausstellung, die um die Welt tourte, mit 55 echten Exponaten aus dem Grab im Tal der Könige. Ich vermute, das Museum hat damals seinen Rekord an Besuchern aufgestellt - und an Securitymännern, an die wir noch so gar nicht gewöhnt waren, gefühlt einer pro Exponat. Und man durfte nichts mit hineinnehmen: keine Tasche, keine Jacke, kein Essen, kein Trinken, keinen Fotoapparat. All das betonte das Besondere dieser Ausstellung noch und so stand ich ehrfürchtig staunend vor den Vitrinen und konnte gar nicht glauben, dass Tutanchamun rein geschichtlich gesehen eher unbedeutend gewesen ist.

Nur das richtige "ägyptisches Grab-Feeling" wollte sich nicht so recht einstellen. Das kam erst im Jahr 2001, als das Museum eine Replique der Grabkammer mit den schönen Wandmalereien zeigte. In sie durfte man hineingehen, staunen und sich ein ganz kleines bisschen wie Howard Carter fühlen. Mittlerweile werden auch im Tal der Könige in Ägypten die Touristen in eine Replique geführt, das echte Grab bleibt verschlossen, sonst wäre es durch die feuchte Atemluft der Touris bald hinüber. Und außerdem muss dann keiner den Fluch des Pharao fürchten...

unvollständig - aber wunderschön
unvollständig - aber wunderschön

Die hauseigene Ägyptensammlung des Kestnermuseums ist nicht so golden, die meisten Exponate sind mehr klein und fein und man muss schon genauer hinsehen. Dann entdeckt man viel über 4000 Jahre Leben in Altägypten. Und über die Familie Tutanchamuns.

Viele Stücke stammen aus dem Amarnagebiet. Dort baute sich Tuts Papa, der Pharao Amenhotep IV. seine ganz eigene Stadt: Achet-Aton. Und zog mit Sack und Pack um.

War er ein Rebell, hatte er die "Alten" und deren Rituale, Grenzen und Anschauungen satt, hatte eigene Ideen, ein "junger Wilder"? Oder führte er nur Ideen konsequent aus, die sein Vater schon hatte?

zweimal der kleine Gott Bes, mein ägyptischer Lieblingsgott, im Profil die Nilpferdgöttin Toeris und kleine Statuetten aus dem MAK - Bes war der Schutzgott für die Nacht und deren Aktivitäten, Toeris beschützte Geburt und Tod
zweimal der kleine Gott Bes, mein ägyptischer Lieblingsgott, im Profil die Nilpferdgöttin Toeris und kleine Statuetten aus dem MAK - Bes war der Schutzgott für die Nacht und deren Aktivitäten, Toeris beschützte Geburt und Tod

Jedenfalls stellte er die alte Amun-Religion und die vielen alten Götter (und natürlich deren Priesterschaft) einfach kalt und erhob Aton, die Sonnenscheibe, zum alleinigen Gott. Und änderte seinen Namen in Echnaton. Mit ihm kam so etwas wie "Moderne" in die Sprache und die Kunst. Ein neuer Stil, u. a. Darstellungen des Familienlebens. Welche Rolle mag seine Hauptfrau, Nofretete, bei all dem gespielt haben? Hat sie gesagt: "du bist doch Pharao, du kannst doch tun, was du willst"? Was dachten die Ägypter über die Neuerungen und wieviel Widerstand lösten sie aus?

Der kleine Tut hieß eigentlich Tutanchaton, änderte aber, wie der Papa, seinen Namen als er Pharao war. Diesmal zurück in "Amun", denn die alte Religion setzte sich nach Echnatons Tod wieder durch, Achet-Aton wurde aufgegeben, der Hof zog wieder um.

Fayenceperlenmaske einer Mumie
Fayenceperlenmaske einer Mumie

Und übrigens - Im Museum gibt es auch ein Mumienkabinett mit echten toten Ägyptern, für den kleinen Schauer, und, in einem abgedunkelten Kasten, einen mumifizierten Fuß. Erst das Licht anmachen... Was die jungen Hannoveraner genauso reizt, wie mich früher der Lichtschalter am Kasten mit den Moorleichen im Museum meines Onkels...

 

 

Mo

27

Feb

2017

Ägyptisches

Der Normal-Hannoveraner interessiert sich nicht so sehr für Helau und Alaaf. Eher für Schützenfest und -ausmarsch. Oder Frühlingsfest und Maschseefest. Also zu den hannoverschen Top-Ten gehört der Karneval nicht. An welcher Stelle wohl die Museen rangieren...

Museum August Kestner Hannover

Wer sich in Hannover für das alte Ägypten interessiert, so wie ich, der geht ins Kestnermuseum. Korrekt heißt es seit 2007 Museum August Kestner, was aber keiner sagt, weil viel zu lang - und die Abkürzung MAK - na ja. Das Kestner gibt es seit 1889. Es liegt direkt neben dem Neuen Rathaus und schon die Fassade ist etwas Besonderes, denn die Betonwaben umschließen und erhalten die Reste des alten Museumsgebäudes.

In unserem Hannoverbuch aus dem Jahre 1927 schreibt Dr. Küthmann, Ägyptologe und damals Leiter des Museums, dazu:

Museum August Kestner Hannover
Kultbild des Gottes Amun

"Den Grundstock des städtischen, im Jahre 1889 eröffneten Kestner-Museums bilden zwei hannoversche Privatsammlungen, deren eine von Hermann Kestner, dem Neffen und Erben des langjährigen hannoverschen Gesandten beim päpstlichen Stuhle, August Kestner, mit einer namhaften Summe für die Errichtung des Gebäudes am Friedrichswall seiner Vaterstadt 1884 geschenkt wurde, deren andere, die des Buchdruckereibesitzers und Senators Friedrich Culemann von der Stadt zwei Jahre später käuflich erworben wurde." August Kestner hatte seine Zeit im Vatikan offenbar dazu genutzt, ausgiebig seinem Sammelvirus nachzugeben und Antikes aus dem Mittelmeerraum und Vorderasien zu shoppen, ganz besonders Ägyptisches. Und dann wurde es daheim zu klein. Oder die junge Generation wollte das Zeug aus dem Haus haben.

Museum August Kestner Hannover
Porträtschätze

Ägypten war damals einfach "in", so wie vor 20 Jahren die Teddys, vor 30 Jahren die Puppen... Meine Kinder werden eines Tages auch überlegen, wo sie meine Teddys lassen können.

Museum August Kestner Hannover
Reliefs: Echnaton als Sphinx - Apis-Stier mit der Sonnenscheibe zwischen den Hörnern

Die alten Ägypter kannten natürlich keine Teddybären, aber Bären schon. In Syrien lebten bis vor 100 Jahren Braunbären, die etwa 1,40 Meter groß wurden. Auf Wandmalereien in ägyptischen Gräbern sind sie dargestellt und auf einem Wandbild im Tempel von Luxor beißt ein Bär einen flüchtenden Ägypter ins Bein.

No chance zu einem Gott zu werden ... im Gegensatz zu vielen anderen Tieren im alten Ägypten.

Totengott Anubis als Schakal - Gott Thot als Pavian (weil er so schön ist: der grüne ist ein Urlaubssouvenir und nicht aus dem MAK) - elegant: Göttin Bastet in Katzengestalt
Totengott Anubis als Schakal - Gott Thot als Pavian (weil er so schön ist: der grüne ist ein Urlaubssouvenir und nicht aus dem MAK) - elegant: Göttin Bastet in Katzengestalt

Die Fotos aus dem Museum zeige ich mit der freundlichen Genehmigung des Museums August Kestner.

 

Mo

20

Feb

2017

Fix und Foxi

Das sagt heute keiner mehr: "Ich bin total fix und foxi." Und meine Kinder sehen mich kopfschüttelnd an, als sei ich aus der Zeit gefallen.

Schneeglöckchen Georgengarten Hannover
Schneeglöckchen in Hannovers Georgengarten vor dem Wilhelm-Busch-Museum

Aber ich war wieder einmal auf Zeitreise. Ich bin in den Sommer 1969 zurückgereist, wir waren bei meiner Großmutter zu Besuch. Ihr Kaufmann um die Ecke verkaufte Orangen- und Zitroneneis in kleinen Plastikorangen und -zitronen. Das gab es bei uns auf dem Dorf nicht, ich war schwer begeistert. (Wiedergefunden habe ich diese Orangen vor einigen Jahren in einem Café am Vierwaldstätter See und sie waren tatsächlich immer noch lecker und meine Kinder begeistert.)

Beim Kiosk um die Ecke gab es Comichefte, "Schund" sagte die ältere Generation dazu.

Ich bettelte so lange, bis ich eines "durfte". Aber nicht MickyMaus, das war meinem Vater dann doch too much amerikanischer Schund, sondern das deutsche "Fix und Foxi". Ausnahmsweise ... und weil Ferien waren ... und weil es so langweilig war bei der Omi...

So kam das FF-Extra-Taschenbuch Nummer 2 zu mir, der Preis damals stolze 2,80 Deutsche Mark - und später kamen noch eine ganze Menge Fix und Foxis und Micky Mäuse. Aber aufgehoben habe ich zum Leidwesen meiner Kinder nur mein allererstes FF-Extra.

Das Wochenende war trüb und grau und so sind wir nach Herrenhausen gefahren. Im Georgengarten blühten schon wundervoll die Schneeglöckchen, die Maulwürfe beackerten die Rasenfläche. Unter der Erde ist es ja egal, wie das Wetter ist.

Wir haben uns die Sonderausstellung "Fix und Foxi" im Wilhelm-Busch-Museum angesehen, zwei Säle voller Originalzeichnungen, einiger Originalhefte und Merchandisingprodukte.

Fix und Foxi und den Rolf Kauka Verlag dazu gab es schon seit 1953, 1994 wurde FF eingestellt. Zu bieder? Zu wenig frech? Zu viel missionarischer Erziehungsanspruch und zu wenig dem Zeitgeist entsprechend? Ich fand sie jedenfalls toll. Die Rechte und das Archiv gehören inzwischen einem Neffen des VW-Piechs.

Schneeglöckchen

Ich habe beim Anschauen einiger Blätter sehr gelacht, aber ich habe die Ausstellung auch mit einer wirklich fabelhaften HörZuMecki-Ausstellung vor einigen Jahren verglichen und war enttäuscht. Für mich waren es viel zu wenige Backgroundinfos und der Aufbau zu unstrukturiert. Und dann der Hinweis, im Buch zur Ausstellung stünde alles drin ... zusätzlich zu den 6 Euro Museumseintritt noch 29 Euro für dünne 132 Seiten bezahlen? Der (nicht ernst gemeinte) Vorschlag meines Mannes war, am Mittwoch zur "Seniorenführung" für nochmal Eintritt plus 5 Euro Führungsbakschisch (in dem allerdings ein Seniorenteller = ein Kuchenstück und eine Tasse Kaffee enthalten wäre) zurückzukommen.

Er wusste, ich würde in die Luft gehen...

 

Mi

11

Jan

2017

Zeitreise

Habe ich erwähnt, dass ich wirklich gerne in Museen gehe? Ja?

Hannover hat eine ganze Reihe von Museen zu den unterschiedlichsten Gebieten, so dass eigentlich kein Hannoveraner eine Ausrede hat, nicht wenigstens in einem davon einmal gewesen zu sein. Und Hannover hat den "Freien Freitag", da kostet es nichts im Sprengel-, Landes-, Historischem und August Kestner Museum. Also wirklich keine Ausrede.

In Letzterem wird noch bis zum 29. Januar eine ganz fabelhafte Ausstellung gezeigt:

"Reklamekunst aus Hannover". Betonung auf "Kunst". Aber es ist mehr.

Hannover Museum August Kestner Reklamekunst
alte Werbeseiten am Eingang der Ausstellung

Es ist eine Begegnung mit unseren großen hannoverschen Firmen, von denen viele im 19. Jahrhundert gegründet wurden und von denen es einige heute noch gibt oder sich zumindest der Markenname noch erhalten hat: Bahlsen, Sprengel, Conti, Appel, Pelikan, Hanomag. Und mit kleinen hannoverschen Firmen, die die Zeit nicht überdauern konnten.

Die aber alle ein Problem hatten, das jeder Selbständige und jeder Betrieb auch heute hat - Wie bringe ich die Menschen dazu, ausgerechnet bei mir, ausgerechnet mein Produkt zu kaufen, wie mache ich mich bekannt?

aus den 50er Jahren
aus den 50er Jahren

Es ist eine Begegnung mit dem Charme alter und älterer Werbung und überaus talentierten Designern, denn die Firmen beschäftigten nicht irgendwen, sondern Künstler auf ihrem Gebiet. Bahlsens alte Keksdosen sind Hingucker, die gezeigten Werbeplakate und Schilder zeitlos.

Bei diesem hier stand leider nicht dabei, wer der Zeichner war. Was sich die beiden wohl zu sagen haben?

Hannover Museum August Kestner Reklamekunst
Pelikane - lebendige saßen früher im Vorgarten der Firma an der Podbielskistraße

Für uns war der Besuch eine Zeitreise, zurück in die Zeit unserer Großeltern und Eltern, manchmal skurril wegen der beworbenen Objekte und der Ernsthaftigkeit der Aussagen.

Und in unsere eigene Kindheit. "Weißt Du noch, damals, der Pelikano (Schulfüller von Pelikan)? Die Erfrischungsstäbchen 'zum Schmunzeln' (die echten von Sprengel)?" Wer schmunzelt heute denn noch... Mein Gott, ist das schon so lange her?

Hannover Museum August Kestner Reklamekunst
Bahlsen - Ideen für meine nächste Marmeladenaktion - und wie die TET-Packung zusammengefaltet wird, entdecke ich auch noch irgendwann

Dazu kann man sich in ein kleines Kino setzen und alte Werbefilme ansehen, merken, wie sich Werbung mit unserer Gesellschaft und medialen Möglichkeiten verändert hat. Und Heinz Ehrhardt entdecken, der fein-köstliche Werbung für die Firma Appel-Feinkost macht. "Schnippeldischnappel-Mayonnaise von Appel" und "Appels Delikatessen lassen Kater vergessen". Oder das Salzletten-Ballett der Bahlsenknabbereien.

 

Zu Hause habe ich unser altes Hannoverbuch von 1927 herausgeholt. Darin haben damals viele hannoversche Firmen inseriert, auch die oben aufgeführten, nur Bahlsen nicht. Bahlsen ist mit zwei seitengroßen Fotos der Gebäude und einem kurzen Satz im Text vertreten: 'Jedem deutschen Kinde sind die Leibnizkekse der Hermann Bahlsen Keksfabrik ... bekannt.' Ja, dann ... Aber ansonsten war Bahlsen Reklameprofi.

Hannover Museum August Kestner Reklamekunst
"Seit 1871 entwickelt Continental intelligente Technologien für die Mobilität der Menschen und ihrer Güter." (Werbetext der Firma)

Welche Firma benutzt heute noch Reklameschilder? Das Hanomag-Schild finde ich genial in seiner Schlichtheit. Und ich kenne auch den Ort, an dem es hergestellt wurde. Das war das Emaillierwerk am Rand von Mellendorf, nicht weit vom Mellendorfer Fernsehturm, 1926 entstanden und leider in den 1990er Jahren verstorben. Im Werksverkauf gab es auch schöne Schalen und Schlüsselborde, aber offenbar nicht genügend Werbung dafür. Das Schild mit unserer Hausnummer am Haus meiner Eltern stammte von dort.

Meine Zeitreise. Geht noch schnell ins Museum - direkt neben unserem Rathaus - und geht auf Eure eigene Zeitreise.

 

Die Fotos aus der alten Hanomag stammen - woher auch sonst - aus der Hanomag-Werbung im alten Hannoverbuch.

Die übrigen Fotos zeige ich mit der freundlichen Genehmigung des Museums August Kestner.

 

Di

03

Jan

2017

... Ist es wirklich schon 2017?

"Wer an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät?" Kennt Ihr noch Paulchen Panther, der sich wunderte, wie schnell manchmal die Zeit vergeht?

 

Silvester ist das bei uns immer so. Zuerst denken wir, wie viele Stunden doch bis 24 Uhr noch vor uns liegen, und dann müssen wir zusehen, dass wir mit unserem Essen und dem Dessert und dem Tisch-Aufräumen und den Knallbonbons noch fertig werden, um den Mitternachtssekt rechtzeitig geöffnet zu bekommen.

Dann läuten alle Kirchenglocken, wir wünschen uns alles Gute und dann beginnt die finale "Pyrotechnik".

Und wieder knüpfen wir ein Bündel an Erwartungen und Hoffnungen und guter Vorsätze. Und ich nehme mir vor, das alles nur als lockere Vorschläge zu sehen und mich zu freuen, wenn sich irgendetwas realisiert. Und so, ja tatsächlich, ist 2017 da.

 

Ein guter Vorsatz: Mehr Rauskommen.

Hannover Neues Rathaus

Fangen wir damit an.

Unter unserem Weihnachtsbaum lag ein Buch: "Hannoversche Geheimnisse". Eins der Geheimnisse handelte von unserer Rathausuhr und da sind wir doch gleich einmal hin und haben nachgeschaut.

Genau hingesehen hat das hannoversche Neue Rathaus eine Uhr an der Eingangsseite zum Trammplatz und eine zweite an der Gartenseite zum Maschpark. Die Trammplatzuhr ist nicht am zentralen Rathausturm, sondern am großen Giebel über dem Eingang angebracht. Sie ist so alt wie das Rathaus, das 1913 eingeweiht wurde, und wurde damals von Bürgern der Stadt gestiftet. Ein kostbares Stück. Nachts ist das Ziffernblatt von innen beleuchtet oder sieht zumindest so aus, die Zeiger sind dunkel.

neues Rathaus HannoverRathausuhren
Trammplatzuhr - Maschparkuhr

Die Gartenseite-Rathausuhr ist dagegen unterhalb der Kuppel direkt am Rathausturm angebracht und bei ihr leuchten die Zeiger und die Ziffern, während das Ziffernblatt dunkel bleibt. Sie ist auch nur gut halb so alt (aus den 1950ern) wie ihre Trammplatzschwester, denn zum Ende des 2. Weltkriegs beim letzten großen Luftangriff auf Hannover wurde auch die Fassade des Rathauses an der Gartenseite getroffen. Und nach dem Krieg musste wieder aufgebaut werden und eine neue Uhr her. Leuchtende Zeiger waren damals der letzte Schrei, ich kann mich noch an Wecker und Uhren meiner Eltern erinnern, deren Zeiger leuchteten. Und ich kann mir vorstellen, wie die hannoverschen Ratsherren sich gesagt haben, dass das ganz praktisch ist, wenn man angetüdelt vom Schützenplatz nach Hause wankt und die Uhr Richtung und Zeit gibt. Denn man sieht sie wirklich gut durch den ganzen Maschpark.

Maschparkuhr bei Nacht
Maschparkuhr bei Nacht

Wie das genau funktioniert, da sind die Aussagen etwas diffus.

Die Rathausuhrzeiger und Ziffern sind aus vielen einzelnen Glasröhrchen zusammengesetzt. Jedes Röhrchen ist innen hohl und mit einem Gas gefüllt, das alle 5 Jahre von einer Spezialfirma neu aufgefüllt werden muss. Dazu werden sie vorsichtig abgenommen und für einige Zeit zeigt die Uhr - gar nichts.

 

Und jetzt habe ich ein Geheimnis des Buchs ausgeplaudert, aber es gibt ja noch so viele weitere darin. Kauft es Euch.

Was da genau leuchtet? Ich vermute, dass es sich um das radioaktive Tritiumgas handelt. Tritium ist ein Wasserstoffisotop, Nebenprodukt bei der Kernspaltung, mit einer Halbwertzeit von 12 Jahren. Die Glasröhrchen sind innen beschichtet, mit Phosphor oder Zinksulfit, und in der Regel Laser-verschweißt. Der Zerfall des Isotops setzt Radioaktivität frei und bringt die Beschichtung zum Leuchten. Und während das Tritium zerfällt, wird das Leuchten langsam weniger. Bevor das auffällt, wird neu gefüllt.

Es gibt im Handel Uhren und Lampen zu kaufen, die diese Chemie nutzen. Die Glasröhrchen sind heute so fein und dünn, dass sie in Armbanduhren eingesetzt werden. Angeblich unbedenklich. Hmm.

Bevor man darauf kam, Tritium zu verwenden, war Radium in. Arthur Junghans erfand 1912 die Radium-Leuchtfarbe, die bis in die 1960er Jahre bei allem, was im Dunkeln leuchten sollte, eingesetzt wurde. Vom Militär noch länger. Das Radium setzte erheblich mehr Radioaktivität frei als heute das Tritium, trotzdem galt es lange als unbedenklich, bis man mal genauer hinsah. Beim Militär übrigens erst zur Jahrtausendwende. Tritiumgaslichtquellen sind ab einer bestimmten Stärke melde- und genehmigungspflichtig und Uhren und Lampen damit müssen im Sondermüll entsorgt werden, gelten im Gebrauch aber für die menschliche Gesundheit als unbedenklich. Wann sieht man da genauer hin? Ich möchte keine Strahlenquelle am Handgelenk tragen. Was ist, wenn sie hinfällt und das Röhrchen zerbricht?

 

Mo

24

Okt

2016

Celle zum Letzten

Ja, versprochen. Das ist erst einmal mein letzter Post zu Celle.

Damit Ihr versteht, warum das Schloss für einen Hannoveraner so interessant ist, muss ich Euch etwas zur Geschichte erzählen:

Schloss Celle
Georg von Calenberg auf einem Gemälde im Schloss

Hannover war schon eine fix und fertige Stadt, da kam Georg von Calenberg und machte seine Residenzstadt daraus. Er musste erst einmal abreißen und umbauen, um Frau und Kinder einigermaßen unterbringen zu können. Das war 1636, während des 30jährigen Kriegs und da war es wichtig, innerhalb der Stadtbefestigungen zu wohnen.

 

Celle war da bereits schon lange, lange eine Residenzstadt und entsprechend ausgestattet. Georg ist übrigens in Celle geboren, bestimmt im Schloss, wo sonst? Auch wenn das Schloss damals noch nicht so aussah wie heute, denn die heutige Form bekam es erst ab 1670 durch Georgs Sohn Herzog Georg Wilhelm und dann später bei Renovierungen nach 1834 durch den hannoverschen Stararchitekten Laves.

Celle Schloss
das Laves-Treppenhaus von 1839 mit Statuen der damals "wichtigsten" Welfenahnen

Ein Schloss - Irgendwas ist immer kaputt, dann muss modernisiert werden, dann angebaut. Klein fängt man an. In Celles Fall war das eine recht schlichte Burg: Burgturm, Wohnhaus. Sie ersetzte eine abgebrannte alte Burg in Altencelle, von der nur noch der grasbewachsene Wall existiert. (Die, ich kann es mir nicht verkneifen, Keimczelle Celles seit dem Jahr 986.) Weil sich das Flussbett der Flüsse Aller und Fuhse verändert hatte, war der neue Platz strategisch und verkehrstechnisch günstiger.

 

Celle war damals eine Steueroase. Denn um Bauern und Handwerker zum Umzug vor die neue Burg zu bewegen, versprach Herzog Otto 1292 Steuererleichterungen. Und es funktionierte - im Mittelalter genauso wie heute in Lichtenstein und Panama und...

 

Schon damals war Celle Residenz wenn die Herzöge auf Reisen vorbei kamen. Konkurrent darum war Lüneburg, aber, während einer der immer wieder vorkommenden Erbschaftsprügeleien der damaligen Zeit, versuchten die Lüneburger den Herzog loszuwerden und zerstörten kurzerhand die Residenz. Dem Herzog blieb gar nichts anderes übrig als nach Celle zu ziehen. 1433 wurde Celle ständige Residenz. Hannover war - auch verkehrstechnisch - weit weg.

schöne Deckenleuchter in den königlichen Staatsgemächern und im Schlafzimmer Caroline Mathildes, das jetzt als Standesamt genutzt wird.
schöne Deckenleuchter in den königlichen Staatsgemächern und im Schlafzimmer Caroline Mathildes, das jetzt als Standesamt genutzt wird.

Als Georg von Calenberg nach Hannover zog, residierte sein Bruder Friedrich in Celle. Weil der keinen direkten Erben hatte, erbten Georgs 4 Söhne nicht nur Hannover, sondern auch Celle. Und sie fanden Celle bedeutend netter, das Schloss schöner und die finanzielle Seite angemessener. Jeder von ihnen regierte erst einmal Hannover-Calenberg. Sobald er die Chance hatte, nach Celle zu wechseln, meistens durch Erbschaft, tat er das mit Vergnügen (oder versuchte es zumindest). Und ließ in Hannover den nächsten Verwandten ans Management. Erst nach "kleinen" Gebiets- und Geldumverteilungen gewann Hannovers Attraktivität.

Celle Schloss
Engel und Ähnliches in den Räumen - viele Engel

Als dann Ernst August, der jüngste der Brüder, in Hannover dran war, verheiratete er seinen ältesten Sohn Georg Ludwig mit Sophie Dorothea, dem einzigen Kind seines Bruders Georg Wilhelm, der in Celle residierte. Außerdem legte er fest, dass nur Georg Ludwig ihn beerben würde und alle übrigen Kinder nichts. Die Ehe ... das ist eine Geschichte für sich ... aber nach Georg Wilhelms Tod 1705 wurde das Celler Gebiet mit Hannover-Calenberg vereinigt und die Hannoveraner dachten gar nicht daran, umzuziehen. In Hannover gab es inzwischen auch ein schickes Schloss und wunderbare Gärten in Herrenhausen, Georg zog bald als König Georg I. nach England und Celle war nur noch Sommerfrische der Mächtigen, während Hannover ...

 

Alle Schloss-Fotos seht Ihr dank freundlicher Genehmigung der Leitung des Residenzmuseums Celle.

 

Sa

22

Okt

2016

Celle 3

Vom "Goldenen Oktober" ist derzeit nichts zu entdecken. Es hat 2 Tage lang nur geregnet und es ist nass und kalt und grau-grau-grau. Eine gute Ausrede für die Sofaecke und das Sichten der restlichen Celle-Fotos aus wärmeren Tagen.

Wir waren ja nicht nur Bummeln in der Stadt und im Schlosspark.

Celle Schloss
Teil des Hosenbandordens auf einem Portrait - Hengst "Wohlklang" in Bronze - Schimmel auf einem Portrait Herzog Christian Ludwigs

Im Schlosspark übrigens steht die Bronzeskulptur eines Hengstes, eines berühmten Hengstes des Celler Landgestüts für unsere Hannoveraner Pferde (1735 gegründet von Georg II., Kurfürst von Hannover und im Nebenberuf König von England, aber die Anfänge der Pferdezucht in Celle stammen noch von Herzog Christian Ludwig, der wahnsinnig gern auf die Jagd ging und für seine über 200 Pferde 1657 ein "Reithaus" baute, das größer war als sein damaliges Schloss). Im Landgestüt finden jedes Jahr im Herbst sehenswerte Hengstparaden statt - ein "Must", solange man nicht allergisch auf Tierhaare reagiert. Pferde sind wichtig in Celle und finden sich natürlich auch im und am Schloss.

Celle Schloss
Wappen Georg Wilhelms von 1670 - die Schlosskapelle war "eingepackt" - Herzog Friedrich IV. (gestorben 1648) in Stein - Eingangsportal von 1839 mit Hausnummer, Löwenkopf und Wappen des Königs von Hannover

In den schönen Schlossräumen ist im letzten Jahrzehnt das Residenzmuseum entstanden. Macht man eine Führung mit, dann bekommt man viele Informationen zur Geschichte und den Bewohnern, dann kommt man auch in die alte Schlossküche und die schöne alte Schlosskapelle, das heißt bis zur Besucher-Glaswand, die die Innenausstattung vor der Atemluft der Besucher schützen soll. Bei meiner Konfafahrt stand ich noch mitten drin... Aber auch ohne Führung sind die Räume sehenswert und zeigen ein Stück welfischer Geschichte, die auch hannoversche Geschichte ist.

 

Die Aufnahmen des Schlosses und aus seinen Räumen veröffentliche ich mit freundlicher Genehmigung der Leitung des Residenzmuseums Celle.

 

Fr

14

Okt

2016

Celle 2

Wenn ich so in unser hannoversches Schmuddelwetter (trüb, nass, kalt und windig) hinaussehe, kommt mir unser Cellebesuch ewig lange her. Da war es warm und sonnig und wir sind durch den Schlosspark gebummelt. Oh war das schön.

der Schlosspark rund ums Celler Schloss
der Schlosspark rund ums Celler Schloss

Den Schlosspark rund ums Schloss gibt es noch gar nicht sooo lange - verglichen mit dem Schloss. Da haben wir Hannoveraner mal die Nase vorn mit unseren Herrenhäuser Gärten. Aber da das Celler Schloss früher eine Burg war und man nur über eine Brücke über den breiten Wassergraben zum Tor im hohen Burgwall kam, war auf der Schlossinsel einfach kein Platz für "Grünen Schnickschnack". Gerade mal für Bäume. Deshalb lagen und liegen die ersten Schlossgärten südlich der Innenstadt (und sie haben sich während ihres Bestehens immer der neuesten Mode angepasst: zuerst Renaissancegarten, dann Barockgarten, dann Landschaftsgarten). Erst als um 1800 herum die Schlossbefestigungen abgebrochen wurden und der Wassergraben verkleinert, war direkt am Schloss Platz für Garten. Und Mitte des 19. Jahrhunderts sogar für einen Park, weil Flächen auf der anderen Seite des Wassergrabens dazu genommen wurden.

Schlosspark Celle - das Celler Schloss mit einem Rest Burgwall - Brücke über den Wassergraben
Schlosspark Celle - das Celler Schloss mit einem Rest Burgwall - Brücke über den Wassergraben

Ein schöner Park mit schönen alten Bäumen. Perfekt, um nach dem Einkaufsbummel auf einer Parkbank wieder zu Atem zu kommen. Mich hat besonders die Flügelnuss angezogen. Wenn man unter ihren ausladenden dicken Ästen steht und übers Moos streicht, ist man in einer anderen, verwunschenen Welt. Ich habe erwartet, dass gleich eine Fee heruntergeschwebt kommt. Oder ein Zwerg um die Ecke sieht.

Und dann war es nur eine Ente.

Schlosspark Celle Flügelnuss
Flügelnuss mit langen Fruchtständen

Die kaukasische Flügelnuss, lat. Pterocarya fraxinifolia, ist kein einheimischer Baum. Sie wurde vor 150 Jahren gern in Parkanlagen gepflanzt, eben auch in Celle. Ein Baum, der viel Platz braucht. Die Blätter sind für Fische giftig, für den Menschen angeblich nicht.

 

Mi

12

Okt

2016

Celle 1

Die "Konfafahrt" ging nach Celle. (Konfafahrt = ein gemeinsames Wochenende der 13 - 15jährigen Konfirmanden und des Pastoren/in in einer Jugendherberge der nicht zu fernen Umgebung während des 2. Vorbereitungsjahrs zur Konfirmation zwecks Vertiefung des "Evangelischen")

Celle Stadtmodell
Celle: links das Schloss - hinter der Baumreihe rechts die Innenstadt mit Stadtkirche

Lang ist es her. Wir haben damals alles besichtigt, was mit Kirche zu tun hatte: das Kloster Wienhausen um die Ecke, die Schlosskapelle im Celler Schloss und gefühlt sämtliche Kirchen Celles. Aber es war wohl doch nur St. Marien, die Stadtkirche, und natürlich gehörte die Turmbesteigung dazu. 74,5 Meter Turm. Angeblich 234 luftige Stufen, die ich noch ganz gut nach oben kam... Der steinerne Umgang in der Höhe war leicht abschüssig vom Turm weg, so hatte ich das Gefühl, es zöge mich über die Brüstung nach unten... Und der Abstieg auf der Holztreppe, bei dem ich sehen konnte, wie tief es herunter geht... Ich erinnere mich leider gut und mit Schaudern. Auch an das Essen in der Jugendherberge.

Celle
Blick vom Schloss auf Bomann-Museum und Stadtkirche dahinter - altes Rathaus

Celle liegt, je nach Verkehrslage, ein knappes halbes Stündchen von uns entfernt - fürs Bummeln und Shoppen und Mal-Was-Anderes-Sehen. In Celle gab es einmal das wunderbare Deutsche Stickmustermuseum im 1770 gebauten Mecklenburg-Palais am Prinzengarten (neben dem heutigen Stadtfriedhof) und ganz aktuell das Museum "Wandliebe" für Tapetenkunst in der Altstadt. Und das Bomann-Museum gegenüber vom Schloss hatte im Winter 2007/2008 eine fabelhafte Teddybärenausstellung, bei der hannoversche Bärenhöhlenbären helfend zur Seite standen.

Der erste Eindruck trügt eben manchmal. Grad waren wir wieder einmal da.

Celle
Celles Innenstadt - Stadtwappen mit Ritter und überall Löwen

In Celle gibt es viele, viele alte Fachwerkhäuser, die dicht an dicht in der Innenstadt stehen - "Mittelalterflair". Und ein Schloss, sehr dekorativ, mit Schlosspark und Schlosskapelle und Wappen der Welfen und kleinem Wassergraben drumherum. Da sind wir Hannoveraner schon etwas neidisch, ein echtes altes Schloss, keine Replik wie unseres in Herrenhausen.

Wer sich traut, auf den Turm der Stadtkirche zu steigen, hat von oben einen guten Blick darauf und den Schlosspark. Also ich - nicht. Aber Falco von Pixabay hat sich getraut. Danke Falco. Die übrigen Fotos sind von uns und es kommen noch mehr.

Ich kam wie immer an den vielen schönen Buchhandlungen nicht vorbei. Da gab es  Tische voller Literatur über die Stadt und ihre Geschichte und die der Welfen und alle möglichen Königshäuser und all die Dinge vergangener Jahrhunderte, die, würden sie heute passieren, in der Gala landen würden.

Celles Altstadt und der Stadtgründer Herzog Otto, der ein Schloss festhält, dass es zu seinen Leibzeiten in dieser Form gar nicht gab - Künstlerfreiheit
Celles Altstadt und der Stadtgründer Herzog Otto, der ein Schloss festhält, dass es zu seinen Leibzeiten in dieser Form gar nicht gab - Künstlerfreiheit

Ich habe mir einen schönen dicken Bildband gekauft und mich dann damit abgeschleppt: "Dame Herzog Kurfürst König" von Ulrike Weiß, in dem auf 280 Seiten und 3 Pfund die Geschichte der hannoverschen Welfen geschildert wird. Und mal nicht nur der Männer sondern auch der Frauen. "Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine kluge Frau." Gut und flott lesbar. Für kleine 15 Euro! Das tröstet dann darüber hinweg, dass der Text vor dem Drucken wirklich ärgerlich schlecht korrekturgelesen wurde, vor allem aber sind manche Jahreszahlen einfach falsch. Welcher Herzog heiratet schon nachdem er gestorben ist? Was muss sich die Autorin ärgern...

Celle
Merkwürdigkeiten aus Celles Innenstadt: originaler Pranger von 1786, Ritter oder Frosch? - Teil des Stadtwappens am Bomann-Museum und Morgensterne als moderne Kunst

Das Buch gibt es verlagsfrisch in den Buchhandlungen: Weiß, Ulrike: Dame-Herzog-Kurfürst-König: das Haus der hannoverschen Welfen 1636-1816. - Hannover, 2008. (Schriften des Historischen Museums Hannover; 34) ISBN 978-3-910073-35.

Wie Antiquariate und Amazon darauf kommen 445 Euro für ein gebrauchtes Exemplar zu verlangen, ein Rätsel.

 

Fr

23

Sep

2016

Eichen und Linden

Wenn sich jetzt das Laub verfärbt, Morgennebel aufsteigen und Kastanien und Eicheln von den Bäumen fallen, dann mit Berechtigung. Denn der kalendarische Herbst hat begonnen.

Übrigens - wenn mich jemand fragen würde, welcher Baum der norddeutscheste für mich ist... Die Eiche natürlich.

Berggarten Hannover
Berggarten - Blumenbeet vor dem Mausoleum

"Fest wie unsre Eichen halten alle Zeit wir stand..." steht schon im Niedersachsenlied, das allerdings politisch, gesellschaftlich und geschichtlich alles andere als korrekt ist. Im Mittelalter wurde unter Eichen Gericht gehalten. Und schon Druide Miraculix erntete am 6ten Tag nach Vollmond mit einer goldenen Sichel seine Misteln bevorzugt auf einer Eiche.

Berggarten Hannover
Berggarten - das Mausoleum im Eichenhain

Als der hannoversche Stararchitekt Laves 1842 bis 1847 das Welfenmausoleum im Berggarten baute, pflanzte der ebenso berühmte Gartenmeister Wendland noch während des Baus rund um das Mausoleum 36 Stieleichen. Und nicht etwa kleine, junge Bäumchen sondern große stattliche Bäume. Sie waren schon 60 Jahre alt, etwa 12 Meter groß und standen im Wald bei Kananohe, das ist nicht weit vom heutigen Flughafen Langenhagen, von den Orten Resse und Kaltenweide und inzwischen ein Naturschutzgebiet. Zuerst mussten die Wurzelballen umstochen werden und im Jahr darauf wurden die Bäume ausgegraben. Für den Transport gab es speziell angefertigte Wagen. 16 Pferde zogen sie, Hindernisse an der Fahrstrecke wurden beseitigt, Straßen gesperrt - das Ganze vergleichbar mit einem Schwertransport heutiger Zeit.

Und so kam eine Eiche nach der anderen im Berggarten an. Alle Bäume wuchsen an. Mehr als zwei Drittel von ihnen stehen heute noch.

Funkien im Beet vor dem Mausoleum
Funkien im Beet vor dem Mausoleum

Eichen gibt es schon seit 12 Millionen Jahren. Sie sind Symbole in vielen Religionen, stehen für Ewigkeit, sind Bestandteil von Wappen und Ehrenzeichen und unseres schönen alten ein-Pfennig-Stücks. Mein Vater mochte sie nicht, denn unser Nachbar hatte eine Reihe von ihnen im Garten stehen (die Grundstücke waren einmal Wald gewesen) und sie machten keinen Unterschied zwischen Mein und Dein bei Laub und Blüten und Eicheln und ganz schlicht "Dreck". Eine Menge Dreck.

Linden sind da auch nicht so viel besser. Nie das Auto unter Linden parken. Außer im Winter vielleicht. Aber in der Lindenallee im Berggarten darf ja sowieso niemand parken. Diese Allee ist schon 1727 angelegt worden, das Mausoleum gab den Endpunkt erst über hundert Jahre später. Die Linden sind nun schon fast 300 Jahre alt, teilweise innen hohl und nicht mehr so recht standfest. Eigentlich sollten sie gefällt und neu gepflanzt werden, dafür gab es ein extra Zucht-Forschungsprogramm mit den Samen der alten Bäume. Das morsche Holz hat aber den strengstens! allerstrengstens! geschützten Juchtenkäfer (das ist der, der auch Stuttgart 21 lahmgelegt hat) angezogen. Und er ist eingezogen. Blöd.

Blick aufs Schloss durch die Reste der Lindenallee
Blick aufs Schloss durch die Reste der Lindenallee

Nun werden die Linden zurückgeschnitten und mit Pfosten und Seilen aufwendig vorm Umkippen gesichert, aber das auch nur in den wenigen Sommerwochen zwischen Balz und Verpuppen der Käfer. Und dabei wird von wissenschaftlichen Käferbeauftragten mit Endoskopen im Holz nach Käfern gesucht, wie bei einer Operation.

Nicht, dass einer zu Schaden kommt oder seine Wohnung verliert. Also - die Käfer....

Das dauert. Aber 2017 wollen sie nun fertig werden, dann können die Bäume vielleicht wieder austreiben und die Gärtner mal wieder rasenmähen. Und die Touristengruppen stehen nicht mehr kopfschüttelnd vor dem Elend.

 

Mi

21

Sep

2016

und noch mehr Berggarten

Berggarten Hannover Herrenhausen Schmuckhof
Schmuckhof im Berggarten

Hinter dem Berggarten-Pavillon liegt ein "Schmuckhof", üppig bepflanzte Geometrie. An ihm kann man sehen kann, wie stark Großer Garten und Berggarten trotz aller Unterschiedlichkeit zusammen gehören. In der Mitte steht eine Sonnenuhr, drum herum große, wirklich große Kübelpflanzen. In die schönen Hibiskuspflanzen habe ich mich gleich verliebt. In die großen Kakteen weniger.

Autsch!

Berggarten Hannover Herrenhausen
prächtiger Hibiskus im Berggarten
Mangold
Mangold

Zwischendrin - Grünkohl und Mangold.

Ich dachte: das ist Gärtnerhumor.

 

Schließlich war der Berggarten ursprünglich ein Nutzgarten, der die Hofküche auch mit dem Luxus von leckeren Ananas, Orangen, Melonen, Wein, Pfirsichen und Erdbeeren versorgte. Dinge, die für uns heute so selbstverständlich sind, aber damals...

 

Ananas wurde bis 1922 angebaut, so erfolgreich, dass auch verkauft wurde. Um 1850 betrug die jährliche Erntemenge 500 bis 600 Früchte. Hättet Ihr das gedacht?

Die Sonnenuhr im Schmuckhof habe ich übrigens gar nicht so gewürdigt, wie sie das verdient gehabt hätte. Mir war es einfach zu sonnig und heiß. Aber um sie herum rankt sich ein Krimi, der es locker mit dem Bahlsen-Keks-Thriller 2013 aufnehmen kann.

 

Die Sonnenuhr, die jetzt hier steht, ist eine Replik, die 1986 das Original ersetzte. Das wurde 1719 von John Rowley, Meister der Mechanik am Hof von König Georg I., für den Berggarten angefertigt und genauestens auf den Hannoverschen Sonnenlauf eingestellt. Nach ihr wurden die hannoverschen Uhren gestellt, denn die mechanischen Uhren waren damals noch lange nicht so ganggenau wie die Sonne. Und da stand sie im Berggarten und verwitterte vor sich hin. Den heutigen Standort im Schmuckhof bekam sie allerdings erst nach dem letzten Krieg.

Berggarten Hannover Herrenhausen Schmuckhof Sonnenuhr
rund um die Sonnenuhr

Und dann, im Dezember 1984, war sie weg. Den Sockel ließen die Diebe da. Hannover war entsetzt, die Zeitungen berichteten seitenweise und hätte es damals schon Social Media gegeben...

Dann meldete sich jemand bei der Zeitung HAZ, ein Bekannter habe auf dem Flohmarkt eine Uhr gekauft und jetzt, bei Betrachtung der Zeitungsartikel, dächte er, es könne sein, dass... aber er wolle das bezahlte Geld wieder haben... An einem geheimen Treffpunkt wurden "Lösegeld" (weniger als heutige 500 Euro) und eine Plastiktüte mit der Sonnenuhr darin ausgetauscht. Die Polizei erfuhr erst nach zwei Tagen vom Deal, die HAZ spricht selbst davon, es sei am Rande der Legalität gewesen. Und sie feierte sich als Retter...

Über den Täter - ob er gefasst wurde - warum ohne Polizei - Nichts.

4 Wochen war die Sonnenuhr verschwunden gewesen, dann kehrte sie wieder auf ihren Sockel zurück.

 

Aber in Hannover war man zu der Erkenntnis gelangt, dass sie vielleicht doch zu wertvoll sein könnte, um einfach so draußen herumzustehen. So kam die Replik in den Garten und das Original gut geschützt in den Pavillon.

 

Wer sich für Sonnenuhren interessiert und die Zeitungsausschnitte rund um den Diebstahl nachlesen möchte, dem empfehle ich die Webseite von Reinhold Kriegler ta-dip.de.

 

Mo

19

Sep

2016

noch mehr Berggarten

Ich habe gedacht, ich zeige Euch noch mehr vom Berggarten in Herrenhausen.

Hannover Herrenhausen Pavillon Berggarten
der Bibliothekspavillon in den Herrenhäuser Gärten

Das erste, was man von ihm sieht, wenn man aus der Straßenbahn steigt, ist der Pavillon, den Georg Ludwig Friedrich Laves entworfen und 1820 fertiggestellt hat. Laves war damals der Architekt in Hannover - Hofbaumeister, Oberhofbaudirektor, Stadtplaner. Von ihm sind u. a. das hannoversche Opernhaus, das Welfenmausoleum, die klassizistische Schlossfassade, das Leineschloss (in dessen Wiederaufbau nach dem Krieg heute der niedersächsische Landtag seinen Sitz hat), die Orangerie und eben der Pavillon, in dem früher der oberste Gärtner der Gärten wohnte und in dem die Gartenbibliothek und das Herbarium untergebracht waren.

Berggarten Hannover Bibliothekspavillon
Laves Pavillon und Blüten aus dem Beet davor

Vor dem Pavillon ist ein großes langgestrecktes Beet angelegt, in diesem Jahr in kräftigen Herbstfarben, das sagt: "Komm in den Garten...".

 

Darin wachsen derzeit Zierbananen, Keulenlilien und Dattelpalmen, prächtige orangefarbene Canna, wunderschöner dunkelroter Fuchsschwanz mit dem botanischen Namen Amaranthus caudatus 'Red Octopus' passend zum Sea-Life nebenan, weiße Spinnenblumen, blauer Agapanthus und Wunderbäumchen. Wunderbäume heißen korrekt Ricinus communis, sie sind nicht winterhart und gehören zu den Wolfsmilchgewächsen. Also Achtung vor Kontaktallergien! Und - ja - sie versorgen uns mit - bah - Rizinusöl. Die wunderschönen roten Stachelbällchen sind ihre Früchte, drinnen stecken die ölhaltigen Samen. Aber sie enthalten auch Ricin, in allen Teilen der Pflanze übrigens, und sind sehr, sehr giftig. Ricin ist eines der stärksten Gifte im Pflanzenreich, es gibt kein Gegenmittel, außer schnellstmöglichst zu erbrechen. Im Öl wird es entfernt und durch die Wärme bei der Herstellung inaktiviert.

Eine gefährliche Schönheit und nichts für meinen Garten. Und eigentlich auch nichts für eine öffentliche Rabatte - oder?

Berggarten Hannover
vor dem Bibliothekspavillon - Canna indica 'Tropicana' - Ricinus communis 'Carmencita red'

Ein Vorläufer des Berggartens entstand wohl schon ab 1666, aber sicher gab es den Garten auf dem heutigen Gelände Anfang des 18. Jahrhunderts. 1774 wurde er zu einem Landschaftspark mit Schaubeeten, Gewächshäuser wurden gebaut, der Pavillon kam dazu, um 1850 war der Garten ganz oben in der internationalen Wertschätzung und berühmt. 1866 endete das Königreich Hannover, die Finanzierung des Gartens wurde schwierig und schwieriger mit Krieg und Inflation. Bis 1936 die Stadt Hannover dem Welfenhaus den Garten abkaufte und aufpäppelte. Und Berggarten heißt er, weil er auf einer eiszeitlichen Sanddüne liegt, die allerdings bis heute auf die 3 Treppenstufen hoch zum Pavillon geschrumpft ist.

 

Fr

16

Sep

2016

Sonnenblüten im Berggarten

Spätsommerwetter. Es hat uns nach Herrenhausen gelockt, diesmal in den Berggarten, der an der Nordseite der Herrenhäuser Straße dem Großen Garten mit den schönen Barockbeeten genau gegenüberliegt.

Gräser und Sonnenblüten im Berggarten
Gräser und Sonnenblüten im Berggarten

Er kommt daher wie der Gegenentwurf zu der genau gestalteten gelenkten Gartenpracht auf der anderen Straßenseite: ein Landschaftsgarten mit Themengärten. Aber er ist mehr: Er hat große - und kleine - Gewächshäuser und einen barocken Hof im vorderen Teil, einen Moortümpel, ein Mausoleum und eine Lindenallee. Wer alles sehen will - und nicht nur durchhuschen - braucht schon einen halben Tag dafür.

Wir haben auf den Besuch der Gewächshäuser verzichtet, es war einfach zu warm dafür. Dafür haben wir uns etwas zum Knabbern und viel zu Trinken in die Tasche gepackt. Viele schattige Bänke im Garten laden zum Päuschen ein. Ach, und dann überlegt man sich, ob man wieder aufstehen mag. Die Bienen sumseln, die Blätter rascheln im Wind, ein Schmetterling kommt vorbei... Und dann leider die 20köpfige Busgruppe aus Schwaben auf Gartenerkundung. Also weiter.

Direkt neben dem Eingang zum Berggarten liegt das zur Expo 2000 als Regenwaldhaus gebaute Sea-Life-Gebäude. Es sollte Nachfolger des großen, im Krieg zerstörten und später abgerissenen Palmenhauses sein. Der Regenwald im Inneren war ein Erlebnis, aber offenbar nicht spektakulär genug für die Besuchermassen. Und dann wurde es schlichtweg zu teuer, das Insolvenzverfahren sprach von 1 Million Miesen, und die Sealife-Fische zogen ein. Irgendwie passt das auch, denn das Haus wurde so in den Berggartenboden hineingebaut, dass es wie eine leicht geöffnete Herzmuschel am Strand daliegt. Es fällt dadurch gar nicht so sehr auf. Das Dach ist im abfallenden Teil wunderbar mit Gräsern und Steppenpflanzen bepflanzt, die Trockenheit und Hitze mögen.

Genau das jetzige Wetter.

 

So

26

Jun

2016

Unwetter

Was für eine Woche! Das Wetter war einfach nur anstrengend, zuerst ganz sommerlich nett wurde es dann heiß und unwahrscheinlich schwül, die Luftfeuchtigkeit ließ uns nur noch nach Luft schnappen und einer kühlen Brise sehnen. Tropische Nächte, nur leider sind wir nicht in den Tropen und auf Urlaub... Und dann kamen die Gewitter und die Wolken schütteten Wassermassen auf uns hernieder, die ... Meine innere Anspannung, die ich immer bei Gewitter habe ob auch alles gut geht, wollte so gar nicht weichen.

 

Mittendrin wurde unsere Garage zum Asyl für derzeit nicht benötigtes Mobiliar und es wurde gepackt und gestopft und geschoben damit auch alles hineinpasste und immer mit einem Blick zum Himmel und tropfendem Schweiß. Das war knapp. Kaum fertig kam der nächste Wolkenbruch.

Tower of London  Traitors Gate
Blick auf den Tower of London von der Tower Bridge aus - Traitors Gate (Verrätertor) im St. Thomas's Tower, der Hauptzugang von der Themse aus, durch das die Staatsgefangenen in den Tower gebracht wurden. Heute "fängt" man hier nur noch Touristen.

Auf jeden Fall dachten wir nicht eine Sekunde an Fernsehen und Stadien und Bälle. Die EM hatte gleich zwei spielfreie Tage und halb Europa war auf Fußballentzug. Great Britain aber (wahrscheinlich heißt es dann irgendwann Little Britain) hat den spielfreien Donnerstag dazu genutzt, die Bevölkerung von den vielen Bierchen vor dem Fernseher weg und vor die Tür zu locken und zu ihrer Meinung zur EU zu befragen. Geschickt. Blöd nur, dass es auch dort so geregnet hat...Und die vorhergehende mediale Beeinflussung mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten und Psychotricks und, wie unsere Verwandtschaft mit britischem Pass sagt, "Dingen, die man in einer zivilisierten Gemeinschaft einfach nicht sagt, tut oder denkt", war genauso platt wie geschickt. Ein Lehrstück dafür, wie etwas oder jemand zum Sündenbock für alles gemacht werden kann und das Volk glaubt es unreflektiert. Polemik und Psychologie. Diesmal hat es die EU erwischt.

 

Jetzt mögen die Briten "uns Europa" also nicht mehr. Sie schleppen ihre Insel weit hinaus in den Nordatlantik, vielleicht nicht räumlich, aber in den Köpfen von uns Europäern, und denken, sie lösten so alle ihre Probleme. Bauch siegt über Kopf. Ich hätte nicht gedacht, dass eine ehemalige Weltmacht so d.. sein kann. Und warum fallen mir gerade jetzt meine Fotos vom London Tower in die Hände? Früher verschwand dort so mancher englische Politiker.

Tower of London
Tower of London - White Tower (Hauptturm von ca. 1078) natürlich bei Regen - Waterloo Barracks, hier werden die Kronjuwelen aufbewahrt - Inneneinrichtung im Wakefield Tower

Die Geschichte der Europäischen Union beginnt (ohne Großbritannien) nach dem 2. Weltkrieg mit der Gründung der "europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl" (kurz EGKS oder Montanunion) durch Frankreich, Italien, Deutschland, die Niederlande, Belgien und Luxemburg. 1957 gründeten diese Länder die "europäische Wirtschaftsgemeinschaft" EWG. 1992 wurde daraus die EU, ihr Ziel ist Frieden, Stabilität und Wohlstand für Europa.

Großbritannien gründete 1960 zusammen mit Dänemark, Norwegen, Schweden, Österreich, der Schweiz und Portugal die "European Free Trade Association" EFTA. Die EFTA setzte auf politische Souveränität der Mitglieder statt auf wirtschaftliche Integration und war in der Konkurrenz zur EWG der deutliche Verlierer. Großbritannien bekam Angst, den wirtschaftlichen Anschluss zu verlieren und beantragte (obwohl innenpolitisch umstritten - damals wie heute) 1961 die EWG-Mitgliedschaft. Und Frankreich sagte Nein. Auch beim zweiten Versuch 1967. Erst 1973 wurde Großbritannien EWG-Mitglied - und auch nur knapp, aber das lag diesmal an den Briten selbst. Schon zwei Jahre später überlegten sie wieder auszutreten und machten ein Referendum... Sie verhandelten um Subventionen und drückten Beitragszahlungen und drohten regelmäßig mit dem Austritt. Großbritannien scheint die Mitgliedschaft in der EWG/EU immer nur des handelspolitischen Vorteils wegen gesehen und den Gemeinschaftsgedanken nur dann gedacht zu haben, wenn die nationalen Interessen Englands befriedigt waren und nicht in Gefahr gerieten. Es scheint politisch "in" zu sein, gegen Europa zu sein. Nur - jetzt wird es ernst.

 

Sa

18

Jun

2016

Entdeckungen

Irgendwie scheint die große Schalttafel fürs Wetter auf dem Blauen Stern defekt zu sein und für uns in einer Endlosschleife festzuhängen. Morgens Sonne - Mittags Schwüle - Abends ein kleines oder größeres Unwetter mit jeder Menge Regen und Donner und Blitz. Und am nächsten Tag wieder. Als hätte sich etwas im Schaltpult verklemmt.

Pilz Garten Hase

Ich kenne nur einen, der dem Ganzen etwas abgewinnen kann. Das ist Wetteronline.de, das ich benutze, um nachzusehen, ob ich für den Tag einen Regenschirm brauche oder nicht. Deren Slogan lautet "Wir lieben Wetter". Sollten sie umändern in "Wir lieben Unwetter". Sie schwelgen geradezu in Tornados und Gewitterzellen und großen Hagelkörnern und der Reporter wirft sich in jeden Regenschauer, den er finden kann. Wenn mal nichts Schreckliches zu berichten ist, dann werden die Unwetter der letzten Jahre herausgeholt bis hin zum kalten Sommer 1816 aufgrund eines gigantischen Vulkanausbruchs. Noch nie war Wetter so bedrohlich.

Ich warte darauf, dass sie auch den großen Tornado des Jahres 1830, der damals Hannover und unser Viertel heimsuchte, hervorholen.

Der viele Regen und die dauernde Feuchtigkeit haben nicht nur das Moos sprießen lassen. Bei einem Gartenspaziergang haben Hase Timmy und ich tatsächlich Pilze entdeckt. Sonst kommen die Pilze immer erst im August heraus. Ist das Sommer?

Pilze Rasen Hase
Timmy in den Pilzen

Eichhörnchen Hemmi dagegen hat sich über die Abwechslung in ihrem Speiseplan gefreut und einen ganzen Pilz aufgegessen. Eichhörnchen vertragen offenbar auch Dinge, die für uns Menschen gar nicht gut sind.

 

Am 17. September 1830 gegen 18.00 Uhr fegte ein Tornado durch das heutige Hannover-Linden, Herrenhausen, die List und Groß Buchholz und Bothfeld, sozusagen die Podbielskistrasse entlang (die vor 1900 noch die Celler Chaussee war), und weiter in Richtung Burgdorf. All diese Orte gehörten damals noch nicht zur Stadt, Buchholz und Bothfeld waren Bauerndörfer und wurden schwer getroffen. Scheunen und Häuser lagen in Trümmern, die Ernte war vernichtet, Bäume entwurzelt und sogar steinerne Torpfeiler zerstört. Es hagelte hühnereigroße Hagelkörner. Wie durch ein Wunder kam nur ein Mensch ums Leben, aber materiell muss es für die Betroffenen ein Desaster gewesen sein. In Herrenhausen waren die 100jährigen Linden der großen Allee entwurzelt (Gärtner versuchten, sie wieder einzupflanzen und ich wüsste gern, ob es geklappt hat), es gab große Zerstörungen im heutigen Welfengarten, Straßen waren unpassierbar und in der Eilenriede, unserem Stadtpark, waren mehr als 1000 Bäume gefällt und alles verwüstet. 6 Minuten soll der Tornado dafür gebraucht haben.

Der Hannoversche Anzeiger berichtete damals ausführlich, auch darüber, dass die Armen in Stadt und Umland das zerschlagene Holz aufsammeln durften und im folgenden Winter einmal keine Heizsorgen hatten.

 

Do

12

Mai

2016

Im Stadtpark blühte es

Am Samstag haben wir die Grundlagen für unsere sommerlichen  Tomatensalate und -naschereien geschaffen. Wir waren im Stadtpark, denn im Stadtpark waren, wie immer im Mai, die Hannoverschen Pflanztage, unser jährlicher Pflichttermin. Und wir haben wie immer am Stand von VEN unsere diesjährigen Tomatenpflanzen eingekauft.

Pflanztage Hannover 2016 Stadtpark Stadthalle
Pflanztage 2016 - rund um die Stadthalle mit der schönen Kuppel blüht es

Aber Pflicht klingt so nach Zwang und das war es wirklich nicht. Bei strahlendem Sonnenschein sind wir guter Laune über die Stände gebummelt und haben genossen.

Egal um welche Ecke wir bogen, es gab wunderbare Dinge zu entdecken und manche haben wir mitgenommen. Die schöne Kamelie hätte ich gern gehabt, aber sie war schon vergeben und ist bestimmt nicht allein geblieben. In den Kisten dieses gut ausgerüsteten Pflanzenfreundes war noch genügend Platz.

 

Apropos Transportmittel. Will man nicht nur Schauen oder höchstens ein einsames Blümchen nach Hause tragen, ist etwas mit Rädern oder Rollen gut: Diese Kofferraum-Rollenkisten oder umfunktionierte Kinderwagen oder Bollerwagen oder eine Schubkarre (die auch ausgeliehen werden kann).

Alternativ kann man es so machen wie wir. Die ganze Familie muss mit und jeder trägt mindestens eine große Tasche und einen großen afrikanischen Flechtkorb.

 

Das Wetter war dieses Mal phantastisch, schon sommerlich warm, blauer Himmel, nur der Wind brachte so manchen Pflanzentopf zum Kippen und so manches Gärtnerhütchen zum Fliegen.

Hannoversche Pflanztage 2016 im Stadtpark
Hannoversche Pflanztage 2016 im Stadtpark

Und dann liefen auch noch die Wasserspiele im Großen Wasserbecken des Fontänengartens an, eine Ausnahme wegen der Pflanztage, denn sonst passiert das nur an Sommernachmittagen.

Hannoversche Pflanztage 2016 Stadtpark Fontänengarten
zarte Blüten im Fontänengarten

Der Stadtpark hat in diesem Jahr seinen 102. Geburtstag. Was hat er nicht alles schon gesehen. Er wurde im Juni 1914 eingeweiht, kurz vor Ausbruch des 1. Weltkrieges. 1933 fand hier die Jahresschau Deutscher Gartenkultur statt, das war der Vorläufer der Bundesgartenschauen. Im 2. Weltkrieg wurde der Stadtpark zerstört und danach im hungernden Hannover als Ackerfläche genutzt. 1950 wurde dann mit dem Wiederaufbau begonnen, denn 1951 fand hier die allererste Bundesgartenschau statt. Das Meiste von dem damals Geschaffenen besteht noch heute und wird das auch weiterhin, denn der Park gilt als Gartendenkmal und wird entsprechend würdig behandelt. Die schönen Fontänen im Wasserbecken kamen in den 60er Jahren dazu und vor 20 Jahren der japanische Teegarten, um das von Hiroshima geschenkte Teehaus passend zu präsentieren. Und nun empfängt der Park bereits zum 18. Mal uns "Pflanzenbekloppte".

 

Do

28

Apr

2016

Vergiss-es-nicht

Im Garten blühen die Vergissmeinnicht und weben einen hellblauen Teppich um die Rosenstöcke. Das kalte Aprilwetter macht ihnen erstaunlich wenig aus, aber wir und mein Vergissmeinnichtkind hätten es gerne wärmer. Und ohne die Hagelschauer. Und ohne Wintergewitter. Frühling - bitte, bitte - Frühling.

 

Wer gedacht hatte, der Staatsbesuch am Wochenende habe schlechtes Wetter in Hannover erwischt, musste sich an den letzten beiden Tagen eines Besseren belehren lassen. Für die Gäste präsentierte sich das Schloss doch noch nett im Sonnenschein.

Übrigens - wer denkt, das Schloss gehöre uns Hannoveranern, der irrt.

Uns, also der Stadt Hannover, gehören die Gärten. Und das Schlossgrundstück. Und auch das erst seit 1962, vorher hatte die Stadt es vom Welfenhaus gepachtet (samt Schlossruine) und noch vorher wohnte man dort - bis dann die Weltkriegsbomben das originale Schloss zerstörten.

Vergissmeinnichtkind im Garten und ein erster Wollschweber
Vergissmeinnichtkind im Garten und ein erster Wollschweber

Die Stadt ließ die Schlossreste abreißen und säte Rasen ein. Auf diesem Rasen haben wir jedesmal im Sommer gepicknickt, wenn wir auf den Beginn des Kleinen Festes gewartet haben.

Es gab wiederholt Pläne, auf diesem Rasen zu bauen. Nur was? Modernes dänisches Design mit dem schönen Namen "Bella Vista", das heute wahrscheinlich Kult wäre, aber hannoversche Emotionen zum Kochen brachte? Ein Schlossnachbau, früher kaum vereinbar mit städtischer Parteipolitik? Ein Hotel oder ein Museum?

Schließlich kam die VW-Stiftung (die im Laufe der Privatisierung des VW-Konzerns entstand und mit dem Unternehmen sonst nichts zu tun hat) mit der Idee eines modernen Baus in Schlossoptik. Gebaut hat eine Immobilienfirma der Stiftung, die Stadt gab dafür den Baugrund kostenlos für 99 Jahre her und mietete die Räume für Museum und Tourismus an. Der Rest des Schlosses ist verpachtet und wird als Tagungszentrum betrieben.

Und so waren Frau Merkel und Herr Obama doch irgendwie bei VW.

 

Mo

18

Apr

2016

Hanami

Im Hiroshima-Gedenkhain beim Kinderkrankenhaus auf der Bult war gestern am Nachmittag japanisches Kirschblütenfest.

Leider hatte sich der April dazu entschlossen, mal so richtig April zu sein: Sonne - dunkle Wolken - Windböen - Hagel - Regen wie aus Kübeln - Sonne - Wolken - Schauer - eine endlos wechselnde Abfolge. Und überhaupt ist die Luft kühl geworden.

erste zarte Kirschblüten
erste zarte Kirschblüten

Uns war es zu kalt zum Picknicken im nassen Gedenkhain, wir haben uns mit den Gartenstühlen im Garten in die Sonne gesetzt und versucht, rechtzeitig vor den Schauern wieder drinnen zu sein.

Unsere wilde Kirsche im Garten wagt sich ganz langsam ans Blühen.

Ich würde den Duft dieser kleinen Blüten am liebsten konservieren - wenn das ginge. Als stecke man die Nase in ein Glas mit feinstem Blütenhonig. Mmmmh.

 

Aber vielen Blüten ist es noch zu kalt zum Aufblühen, heute Morgen waren die Dächer weiß und die Vorhersage verspricht auch für die nächste Zeit nichts Besseres. Nur an geschützten Standorten gibt es schon rosa und weiße Blütenwolken. Hoffentlich verfrieren die Blüten nicht.

 

Und so feierte Hannover mehr ein Kirschknospenfest.

japanische Zierkirsche "Prunus serrulata kanzan"
japanische Zierkirsche "Prunus serrulata kanzan"

Hannover schloss 1983 unter Herbert Schmalstieg als Oberbürgermeister eine Städtepartnerschaft mit der japanischen Stadt Hiroshima. Hiroshima wurde am 6. August 1945 von der 1. Atombombe zerstört, 110.000 Einwohner starben, später wurde die Stadt wieder aufgebaut. 1988 schenkte uns Hiroshima ein japanisches Teehaus. Das Teehaus steht heute im Stadtpark und wird von der Deutsch-Japanischen Gesellschaft betreut. In der Ruine der nach dem letzten Weltkrieg nicht wieder aufgebauten Aegidienkirche im Zentrum Hannovers hängt die Friedensglocke, die jedes Jahr am 6. August läutet. Und im Gedenkhain wachsen symbolische 110 japanische Kirschbäume. 

So

10

Apr

2016

Nachösterliche Impressionen

Ich weiß nicht, wie Andere das machen, aber ich räume nicht sofort nach Ostermontag sämtliche Osterdekoration aus Eiern, Hasen, Küken und erzgebirgischen Erzeugnissen fort. Ich lasse mir Zeit und schaue meine Schätze noch eine Zeitlang an.

Außerdem - es dauert jedes Jahr länger die zusammengesammelten Ostereier herauszuholen und zu präsentieren. 161 Stück haben es in diesem Jahr in Schalen und an Zweige geschafft. Und etliche machen Pause und erholen sich bis 2017.

Präsentation im Schlossmuseum Herrenhausen
Präsentation im Schlossmuseum Herrenhausen

Ich liege damit im Trend, denn auch das Schlossmuseum in Herrenhausen präsentiert seine Sonderausstellung mit Ostereiern bis zum 17. April. Diese Ostereier stammen aus der Sammlung von Frau Naumann, die bis zu ihrem Tode über viele Jahre in den Wülfeler Brauereigaststätten einen wunderbaren, anspruchsvollen Ostereiermarkt organisiert hat.

Da sprach Hannovers Oberbürgermeister Schmalstieg zur Eröffnung ein Grußwort, der Saal war vollgestopft mit Ausstellern, die alles rund ums Osterei anboten und wir standen in einer langen Schlange um Einlass an. Damals haben wir Stunden in diesem Saal verbraucht und geschaut und, soweit das Portemonnaie es zuließ, gekauft. Meine Liebe galt und gilt den gekratzten Ostereiern.

einige Exemplare aus der Sonderausstellung im Schlossmuseum Herrenhausen
einige Exemplare aus der Sonderausstellung im Schlossmuseum Herrenhausen

Und, wahrscheinlich weil ich selbst beim Bemalen eines Eies kläglich scheitere, den Haseneiern der Bettina Wächter nach Motiven der Häschenschule von Fritz Koch-Gotha. Ihre Eier werden bei uns gehütet wie ein Schatz und leider, leider wissen meine Kinder noch genau, welche davon ihnen gehören und mit ihnen ausziehen werden...

 

Aber eines Tages standen wir vor dem Saal und dort war nichts. Der Ostereiermarkt war kurzfristig abgesagt worden und nur eine Handvoll Aussteller stand im dunklen Vorraum, damit die Enttäuschung nicht gar so groß sei.

der Hase geigt auf einem alten Glas von 1683, das Huhn sitzt auf einer Deckelvase von 1720, der moderne Hase gehört zur Sammlung Naumann
der Hase geigt auf einem alten Glas von 1683, das Huhn sitzt auf einer Deckelvase von 1720, der moderne Hase gehört zur Sammlung Naumann

In den Folgejahren gab es einige Male einen Ostereiermarkt in der Herrenhausener Orangerie, aber das war nicht mehr dasselbe. Deshalb wollte ich unbedingt noch schnell ins Museum und schauen. Wir haben eine schöne Zeit dort verbracht. Hasen und ein Huhn gab es auch. Nur die Eier - ein bisschen wenig, oder? Einige waren umgekippt oder zur Seite gerollt. Ich glaube, da fehlte etwas von der Liebe zur Ostereierkunst, von der Frau Naumann so viel hatte.

Fr

04

Mär

2016

Palmen

In diesem Jahr findet Ostern im März statt. Welch ein Stress. In Hannover ist erst Cebit, dann ein Familiengeburtstag und - schwupp - kommt Palmsonntag und die Karwoche beginnt.

Der Palmsonntag hat tatsächlich etwas mit richtigen Palmen zu tun: Jesus zog in Jerusalem ein und die Jerusalemer winkten ihm mit Palmwedeln zu. Palmzweige gelten daher als Symbol für Leben und die Auferstehung. Und sie sind so schön dekorativ.

 

Irgendwann vor Jahren habe ich beschlossen, dass etwas Grünes in unserer Wohnzimmerecke hinterm Sofa gut wäre. Etwas großes Grünes.

So zog eine Kentiapalme bei uns ein. Dumm nur, dass ihr die Zimmerecke so gar nicht gefiel und ein Palmwedel nach dem anderen trocken wurde.

Als nur noch ein Blatt übrig war, stellte ich sie auf die Küchenterrasse und wir kauften wir eine künstliche Pflanze. Die übrigens sehr prächtig aussieht, sehr dekorativ ist und sehr teuer war...

 

Nach dem Sommer hatte die Kentia drei neue Palmwedel und zog in unser Schlafzimmer um. Dort steht sie nun seit einigen Jahren und ihre Wedel erreichen inzwischen die Zimmerdecke. Wir schlafen unter Palme(n).

 

Was mache ich nur, wenn sie so weiterwächst? Kentiapalmen können 40 Jahre alt werden. Ich könnte ja in Herrenhausen anfragen, ob sie dorthin umsiedeln könnte....

Denn die Herrenhäuser Gärten waren im 19. Jahrhundert berühmt für ihre Palmensammlung im Berggarten. Sie hatten DIE Palmensammlung Europas. Drei Generationen lang hieß die Chefgärtnerfamilie Wendland. Sie waren Botaniker, Biologen, Gärtner und natürlich leidenschaftliche Sammler. 

Und sie hatten, "Das kommt von Das" sagt der Norddeutsche in solchen Fällen, Unterbringungs- und Überwinterungsprobleme. Zunächst wurde ein altes Gewächshaus zum Palmenhaus umgebaut, mehr ein Provisorium, das bald zu klein wurde. 1849 baute der berühmte Laves dann ein neues Palmenhaus. Aber auch das wurde bald zu klein, besser gesagt zu niedrig. Das Prunkstück der Palmensammlung, eine Livistonia Australis, war 8 Meter groß geworden und wuchs und wuchs und wuchs. Diese Palme wurde 100 Jahre alt. Für sie wurde 1880 wieder ein neues Palmenhaus gebaut, über 30 Meter hoch, damals das höchste Gewächshaus Europas. Wir haben noch eine alte Postkarte von diesem Haus, es war eine richtige Sehenswürdigkeit. Als die Livistonia auch hier drohte, durch das Dach hindurch zu wachsen und es zu zerstören, wurde sie 1919 gefällt. Hannover trauerte. Viele Hannoveraner holten sich ein Stückchen Palme als Andenken nach Hause.

Palmen in Herrenhausen - echte im großen Garten - im Museum gemalt die Livistonia- auf Postkarte das große Palmenhaus
Palmen in Herrenhausen - echte im großen Garten - im Museum gemalt die Livistonia- auf Postkarte das große Palmenhaus

So weit, dass ich meine Kentia fällen müsste, ist es um Glück noch lange nicht.

 

Do

14

Jan

2016

Hier in Bothfeld

Früher gab es vor den Toren Hannovers 4 Dörfer: Bothfeld, Lahe, Groß-Buchholz und - hier wohnen wir - Klein-Buchholz.

St. Nicolai-Kirche Bothfeld
St. Nicolai-Kirche Bothfeld

Sie hatten alles, was ein Dorf so braucht: Dorfanger, Dorfkrüge, Bauernhäuser und Getreidefelder und eine gemeinsame Kirche. Nach etwa 600 Jahren mehr oder weniger beschaulichen Lebens wurden 1907 die Dörfler zu "Städtern". (Und nach weiteren 72 Jahren wurde der Stadtteil Klein-Buchholz zerteilt und verschwand von der Landkarte, aber nicht aus den Herzen.) 

 

Gleich um die Ecke gab es bis Anfang der 90er Jahre ein wunderbares großes Weizenfeld samt Mohn- und Kornblumen, Quelle vieler Sommersträuße, und der Bauer fuhr mit dem Trecker neben der Straßenbahn die Straße lang zum Feld. Inzwischen sind alle Felder bebaut und Trecker fahren nur noch das Holz zu den Osterfeuern und keine Rennen mit der Straßenbahn mehr...

Aber die Nicolaikirche, die steht seit 1288 mittendrin, auch wenn sich ihr Aussehen immer wieder verändert hat. Der große Turm mit der Raseneisensteinoptik stammt von ca. 1350. So ganz genau weiß man das nicht, auch nicht, seit wann er eine Uhr trägt. Die jetzige Turmuhr ist 1899 in Betrieb gegangen und muss seitdem wöchentlich aufgezogen werden.

St. Nicolai mit alten Grabsteinen - Seitentür
St. Nicolai mit alten Grabsteinen - Seitentür

Das heutige Kirchenschiff, das so schön alt und dekorativ aussieht, hatte mindestens 2 Vorgänger und wurde erst 1911 eingeweiht.

St.Nicolai - Kirchenschiff und Orgel
St.Nicolai - Kirchenschiff und Orgel

Die damalige Innenbemalung im Jugendstil wurde bei einer Renovierung 1959 leider weiß überstrichen, glücklicherweise aber kurz vor der Jahrtausendwende wieder hergestellt und ist doch wirklich prächtig. Auch das Altarkreuz stammt von 1911, der Taufstein aber ist älter und stand schon im Vorgänger-Kirchenschiff.

Wenn der Bothfelder Weihnachtsmarkt rund um die Kirche aufgebaut ist, finden in der Kirche kleine Konzerte und Lesungen statt. Bei der Gelegenheit haben wir im letzten Dezember diese Fotos gemacht.

 

Mi

30

Dez

2015

Das Beste zum Schluss

In den Medien läuft bereits die Abrechnung: Das war 2015. Jahresrückblicke. Die zwölf besten Was-auch-immer. Die Tops - die Flops. Wobei das Negative natürlich überwiegt, Jammern kommt immer an und wenn es übers Wetter ist.

Dabei hat es doch noch 2 ganze Tage. Das Beste kommt immer zum Schluss, hat meine Großmutter immer gesagt.

aus der Sammlung des nieders. Landesmuseums
aus der Sammlung des nieders. Landesmuseums

Was mich angeht, könnte 2015 noch ein paar Tage mehr haben, dann würde ich vielleicht mit einigen Dingen noch fertig werden... Aber - no chance.

 

Die Tage zwischen den Jahren bringen mich immer wieder ins Museum.

Unser niedersächsisches Landesmuseum hat eine wunderbare Sammlung mittelalterlicher sakraler Kunst, die gut zu Weihnachten passt.

Gold und Rot und Grün und ganz viel Heiligenschein.

aus der Sammlung des nieders. Landesmuseums
aus der Sammlung des nieders. Landesmuseums

Vielleicht hätten wir den Besuch vor Weihnachten machen und den warnend erhobenen Zeigefinger vor zuviel Weihnachtsbraten, Wein und Keksen ernst nehmen sollen...

 

Mo

19

Okt

2015

Herrenhausen zum Zweiten

Ich bin etwas traurig, dass sich das warme, sonnige Wetter in diesem Jahr so schnell verabschiedet hat.

 

2014 hatten wir im Oktober noch 20 Grad Celsius und Kaffeetrinken im Garten. 2015 sitzen wir seit Tagen bei der halben Gradzahl und Dauerregen im Haus und die Heizung läuft.

 

Der größte Teil unserer Kübelpflanzen steht nun bis zum Mai in meinem kleinen Gewächshaus. Mein Problem mit Kübelpflanzen ist, dass sie jedes Jahr grösser und mehr werden... während Gewächshäuser zu schrumpfen scheinen...

Agapanthus - Bleiwurz - Trompetenstrauch
Agapanthus - Bleiwurz - Trompetenstrauch

Wie machen das nur die Gärtner in den Herrenhäuser Gärten? Dort gibt es viele, viele Kübelpflanzen und sie haben erheblich mehr zu tun als ich. Ihre Prachtexemplare würden noch nicht einmal durch meine Gewächshaustür passen.

"Der" Granatapfelbaum im Innenhof zwischen Orangerie und Galerie
"Der" Granatapfelbaum im Innenhof zwischen Orangerie und Galerie

Kübelpflanzen haben in Herrenhausen Tradition. Kurfürstin Sophie war (wie so viele von uns) vom Sammelvirus befallen und aus ihrer Zeit stammt der Granatapfelbaum. Er kam 1653 aus Venedig nach Herrenhausen und ist die älteste Kübelpflanze der Welt. Er blieb nicht allein und damit begannen die Probleme.

Engelstrompeten vor der Galerie
Engelstrompeten vor der Galerie

Zunächst wurde im Galeriegebäude (fertiggestellt 1698) überwintert. Als die Sammlung wuchs (an Anzahl) und wuchs (an Größe), wurde 1723 für die Überwinterung die Orangerie gebaut. Wahrscheinlich hat der Kurfürst damals dem Bau mit einem ähnlichen Seufzer zugestimmt, wie mein Mann dem Kauf unseres Gewächshauses. Inzwischen wird die Orangerie für Festlichkeiten genutzt und die Pflanzen ziehen schon seit langem in die Berggarten-Gewächshäuser.

Galerie mit Orangenparterre, Neptunbrunnen und goldenem Tor
Galerie mit Orangenparterre, Neptunbrunnen und goldenem Tor

Zwischen der Orangerie und der Galerie stehen im Innenhof riesige Kübel mit prächtigen Pflanzen, hier gehen Besucher Richtung Garteneingang hindurch. Auf der Gartenseite der Galerie liegt das Orangenparterre. Dort wurden und werden die Orangenbäumchen präsentiert und mit dem schönen Agapanthus fühlt man sich fast wie in der Provence. Und wenn man dann durchs Goldene Tor geht, steht man im Großen Garten.


So

11

Okt

2015

Herrenhausen zum Ersten

Gerade war noch Sommer. Und während ich darauf warte, dass Wände trocknen und Handwerker erscheinen, habe ich endlich die Zeit, unsere Sommerfotos zu sichten.

An einem der letzten sonnigwarmen Sommertage Ende August sind wir frühmorgens nach Herrenhausen hinaus gefahren und durch den Großen Garten gebummelt. Wenn dort im Juni-Juli das wunderbare "Kleine Fest" steigt, ist es immer sehr voll. Diesmal war es leer und wir konnten entspannt genießen und uns ein bisschen wie die Hanoverians fühlen.

großes Parterre mit Glockenfontäne - große Fontäne im hinteren Gartenbereich
großes Parterre mit Glockenfontäne - große Fontäne im hinteren Gartenbereich

Ich bin vor vielen Jahren ein Jahr lang in Herrenhausen zur Schule gegangen und habe in den Freistunden oft an der großen Fontäne gesessen. Damals kam man noch ohne Eintritt zahlen zu müssen in den Garten! Die erste Parkordnung stammt übrigens aus dem Jahr 1777, als man allen Bürgern, egal welchen Standes, erlaubte, sich im Großen Garten zu erholen.

Blumen im großen Parterre
Blumen im großen Parterre

Wasser spielt eine große Rolle im Garten. Die große Fontäne wurde schon 1700 gebaut und schafft bei Windstille eine Höhe von 72 Metern. Dabei ist sie auch noch wassersparend, denn sie funktioniert nach dem Prinzip der modernen Bad- und Küchensprudelarmaturen.

Die Glockenfontäne in der Mitte des großen Parterres ist dagegen ein Teenie, sie wurde erst 1937 gebaut. Im Dunkeln angestrahlt schmückt sie ungemein.

Palmen am Tor zwischen Schloss und Garten und große Kaskade rechts neben dem Tor
Palmen am Tor zwischen Schloss und Garten und große Kaskade rechts neben dem Tor

Herrenhausen war früher ein Dorf, wurde vom hannoverschen Adel zuerst für Obst- und Gemüseanbau und dann zum Schlossbau entdeckt und erst 1861 ein Teil Hannovers. Kurfürstin Sophie ließ bis 1714 den Großen Garten in seiner heutigen Form anlegen. Danach fiel er mehr oder weniger in einen Dornröschenschlaf. Bis 1936 die Stadt unter Bürgermeister Menge (das ist der mit dem Maschsee) den angestaubten Garten zur Naherholung der Hannoveraner aufkaufte und renovierte.

Nach dem 2. Weltkrieg mit einem zerstörten Schloss und Bombentrichtern begann die Restauration des ursprünglichen Barockgartens. 1966 wurde der 300. Geburtstag des Gartens dann groß gefeiert.

Die Herrenhäuser Gärten bestehen noch aus einigem mehr: Welfen- und Georgengarten (von der Stadt gekauft 1921), Berggarten und Allee (gekauft 1936) und die Orangerie- und Galeriegebäude und das Schlossgrundstück (gekauft 1962).

das neue Schloss
das neue Schloss

Aber ein Garten wie ja nie richtig fertig. Ein Schloss, pardon - ein Tagungszentrum mit Schlossfassade, gibt es erst seit 2 1/2 Jahren wieder.

Auch das scheint nie ganz fertig zu werden, denn schon gibt es Renovierungsbedarf und wir müssen unseren Museumsbesuch noch einmal wiederholen, wenn die Handwerker fort sind. Hoffentlich hat die VW-Stiftung, die großzügig gebaut hat, noch genug Geld zum Bezahlen der Rechnungen.

 

So

23

Aug

2015

Maschsee

Hannover ohne Maschsee gleich hinter Rathaus und Maschteich? Undenkbar. Und ich kann mir so gar nicht vorstellen, wie Hannover vor 100 Jahren ohne ihn ausgesehen hat.

Blick vom Rathaus über Maschteich und dahinter Maschsee im Frühjahr
Blick vom Rathaus über Maschteich und dahinter Maschsee im Frühjahr

Denn wenn Stadt keinen See hat - dann baut Stadt sich eben einen.

 

Die Idee, aus dem Überschwemmungsgebiet von Leine und Ihme eine überdimensionale Badewanne zu machen, damit die städtischen Keller im Frühjahr bei Hochwasser nicht vollaufen, gab es bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Außerdem dachte man damals sehnsüchtig an Wassersport, Fischzucht (Silvesterkarpfen) und Strandbad. Aber bestimmt nicht an Fußballprofis, die um den See joggen (weil das 96-Stadion gleich nebenan ist - rechts auf dem Foto).

Es dauerte bis die Idee umgesetzt wurde. Hannovers Bürgermeister Menge (der es wahrscheinlich satt hatte, mit dem Neuen Rathaus ständig an seinen Vorgänger Tramm erinnert zu werden und auch etwas Prägendes hinterlassen wollte, außerdem hatte Tramm die Seeidee abgelehnt) schob das Projekt 1925 an, hatte aber eigentlich nicht genügend Geld. Allerdings galt es öffentliche Fördermittel zum Kampf gegen die hohe Arbeitslosigkeit nicht verfallen zu lassen. Die NSDAP forderte lautstark den Seebau als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, der Stadtrat beschloss ihn dann 1932 und nachdem die NSDAP an der Macht war, wurde tatsächlich 1934 damit begonnen (bzw. musste es wohl nach all der Propaganda). Himmelfahrt 1936 war Einweihung mit einem zufrieden und stolz aussehenden noch-Bürgermeister Menge, (fast) allen Hannoveranern, vielen Wassersportlern und leider auch vielen, vielen schrecklichen Uniformen und Fahnen. Und das erste Ausflugsboot ging auf die 5,6 km lange Maschseerundfahrt.

Meine erste Fahrt mit der Maschseeflotte machten meine Eltern mit mir als ich zwei war, Eisessen und Schwänefüttern inklusive. Ein Sonntagsausflug. Heute kann man das immer noch. Oder ein wenig König-Ludwig-Feeling im Schwanen-Tretboot erleben, die Sportlehrer bringen mehr oder weniger begeisterten Schülern das Rudern bei, wer mag segelt oder geht ins Strandbad. Oder setzt sich einfach ans Ufer und schaut nach den Fischen.


Wir Hannoveraner sind heute einfach froh, dass wir den Maschsee haben.

Mi

12

Aug

2015

Maschseefest

Sommer - Sonne - Maschsee - Maschseefest.

Maschsee-Nordufer
Maschsee-Nordufer

Hannover feiert jetzt in der dritten Woche, der Endspurt läuft bis Sonntag, und wir Hannoveraner fühlen uns in den Süden versetzt (gut, die, die bei Gosch Matjes und Scampis futtern, eher nach Sylt).

 

Klar, die hohen Temperaturen helfen dabei, aber ohne Wasser, Strand, Palmen, kühle Getränke und Musik bis in die Nacht wäre das undenkbar. Blöd nur, wenn man am nächsten Tag zur Arbeit muss.

 

Abseits des städtischen Veranstaltungsmarathons und vor allem Morgens ist rund um den See beschauliche Ruhe. Joggen, Gassi gehen, zum Schwimmen ins Strandbad, etwas Wassersport - oder einfach nur Spazierengehen.

Dann gucken schon mal Enten und Schwäne um die Ecke, Bienen schwirren um die Trichterweiden und um die wilden Möhren und Boote und Bötchen kreuzen über den See.

am Uferweg
am Uferweg

Während des Maschseefestes allerdings hat der sonntagmorgendliche Spaziergang nicht ganz so viel Ruhe. Dann ist gefühlt halb Hannover auf den Beinen, denn dann spielt an der Löwenbastion am Ostufer die Bourbon Skiffle Company ihren speziellen Dixieland. Die Band gibt es seit 1972. Die Fans scheinen mit ihr groß geworden zu sein. (Aber es gibt Nachwuchshoffnung, denn die uns begleitenden Youngsters sagten anerkennend "wow, wie in der Muppetshow" und wippten mit.)

Und solange die Kastanien noch nicht reif sind, lässt es sich dort im Schatten gut sitzen. Nächsten Sonntag um 11.00 Uhr noch einmal, Nachmittags ist Entenrennen am Nordufer - und dann ist es vorbei.

 

Di

21

Jul

2015

Noch etwas Rathaus

Das waren schöne Sommerabende im Maschpark mit klassischer Musik von der Rathausterrasse her und der Regen hat gewartet, bis alles vorbei war. Danke, Petrus. Unser Rathaus hat dem Ganzen einen prächtigen Rahmen gegeben und es verdient, dass ich noch etwas darüber erzähle.

 

Eigentlich haben wir in Hannover ja zwei Rathäuser. Ein "Altes" aus dem 15. Jahrhundert in der Altstadt direkt neben der Marktkirche und das "Neue" im Stil des Späthistorismus nicht weit von Maschsee, Schützenplatz und Stadion. Es sieht eigentlich mehr wie ein altes Schloss aus, nicht nach "nur" 100 Jahren, passend dazu bröckelt es an der Fassade. Die Schlossneuerbauer in Herrenhausen haben dieses Prinzip aufgegriffen. Außen auf alt, Innen neueste Technik, ob sie auch das Bröckeln eingearbeitet haben?

 

Gebaut wurde ab 1901 und die daran beteiligten Firmen warben heftig mit dieser Tatsache im wunderbaren Hannover-Buch von 1927 des Verkehrsvereins der Stadt, in dem die Stadt mit Historie und damaliger Gegenwart, ihrer Industrie, Handel und Handwerk präsentiert wurde (und in dem ansonsten erstaunlich wenig über das Neue Rathaus steht). Eingeweiht wurde das Rathaus 1913 und bot endlich genug Platz für die Stadtverwaltung. Kaiser Wilhelm II. kam zu den Feierlichkeiten - immerhin gab es ein über 3 Meter hohes Bronzestandbild von ihm und ein zweites von Wilhelm I. zu bewundern - und die Stadtoberen platzten vor Stolz und Ehre.

Eingangsseite des Neuen Rathauses mit Trammplatz
Eingangsseite des Neuen Rathauses mit Trammplatz

Der Platz davor heisst Trammplatz, weil - welch eine Überraschung - von 1891 bis 1918 Heinrich Tramm Stadtdirektor war, dessen Vorstellungen von repräsentativer Größe und Schönheit sicher in den Rathausbau eingeflossen sind und der so dafür gesorgt hat, dass auch heute noch unser Bürgermeistersitz ein Hingucker ist.

 

In diesem Frühjahr wurde der Trammplatz gründlich renoviert und mit viel Party neu eingeweiht. 1913 war hier noch Rasenfläche, später lagen dann einfallslose Betonplatten. Jetzt hat das Pflaster ein schickes florales Muster und integrierte Beete und passt, obwohl modern, gut zum Stil des Hauses.

Hodlersaal - Wappen der Partnerstädte
Hodlersaal - Wappen der Partnerstädte

Im Rathaus gibt es außer den üblichen Büroräumen eine große Eingangshalle mit prächtiger Treppe und viele schöne Festsäle, hier finden die Ratssitzungen statt (im Hodlersaal, so genannt nach dem Wandbild) und der Bürgermeister hat hier sein Büro. Im wunderschönen Gartensaal mit Terrasse zum Maschpark hat unsere Tochter ihr Abitur mit Mitschülern, Eltern und Lehrern gefeiert.

 

Von der fast 100 Meter hohen Rathauskuppel aus (höher als die hannoversche Marktkirche und auch als die Reichstagskuppel in Berlin, Zimmerarbeiten übrigens John Martens aus der Biesterstr.) hat man einen tollen Blick auf Hannover und den Maschpark und manchmal bis zum Harz. Hinauf geht es mit dem Bogenaufzug, der den Bogen der Kuppel mitfährt und vor einigen Jahren erneuert werden musste.

 

In der Eingangshalle stehen Stadtmodelle, an denen Hannovers Schulkinder (und natürlich alle Interessierten) die Entwicklung der Stadt durch die Jahrhunderte ansehen können. Und ihre Zerstörung im 2. Weltkrieg. Fast wäre auch das Rathaus zerstört worden, von deutschen Truppen, um es den Alliierten nicht in die Hände fallen zu lassen. Aber listige und mutige Hannoveraner und jede Menge Alkohol konnten das verhindern. (Wer sich für die Geschichte interessiert, kann sie bei HAZ.de nachlesen.)

Eingangshalle - Lutherbüste "die Liebe ist die Sonne aller Werke"
Eingangshalle - Lutherbüste "die Liebe ist die Sonne aller Werke"

Das Erstaunlichste am Neuen Rathaus sind nicht die Größe oder die vielen Buchenpfähle des Fundaments, damit das Ganze nicht in der Masch versinkt, sondern die Tatsache, dass Hannover die Baukosten von damals wahnsinnigen 10 Millionen Mark, BAR bezahlt hat, also ohne dafür Schulden zu machen. Schade, dass unsere Politiker dieses Prinzip nicht beibehalten haben.

 

Sa

25

Apr

2015

Hanover

Wusstet Ihr, dass es nicht nur ein Hannover, Niedersachsen, Deutschland gibt? Nimmt man Hannover ein N weg und spricht das Ganze englisch aus, landet man in Hanover, Pennsylvania, USA.

Weißkopfseeadler im Vogelpark Walsrode
Weißkopfseeadler im Vogelpark Walsrode

Das Gebiet von Hanover wurde etwa 1730 besiedelt, die Stadt wurde 1763 gegründet und den Namen bekam das Städtchen tatsächlich von unserem Hannover, aus dem einer der großen Landbesitzer stammte. (Mein Hannover wurde übrigens 1150 das erste Mal urkundlich erwähnt.) Viele Familien der Gegend um Hanover müssen damals deutsche Wurzeln gehabt haben, denn die erste Zeitung der Stadt erschien 1797 auf Deutsch. Hanover gehört heute zum County of York und ist in den USA vor allem durch die Firma Snyders bekannt, dem größten Snack- und "Pretzel"-, d. h. Brezel-Hersteller des Landes. Wer, wie ich, Fa. Bahlsen um die Ecke hat, der findet das ganz normal.

Es gibt noch mehrere Hanover: in den USA, in Kanada, in Afrika, sogar in Chile. Ein Exportschlager, mein Hannover.

 

Aber das Hanover in Pennsylvania hat etwas Besonderes und das ist eine Webcam am Nest der dort wohnenden Wappentiere der USA. Weißkopfseeadler sind prächtige Vögel. Sie leben nur in Nordamerika und ihr Bestand ist leider gefährdet.

Im Vogelpark Walsrode, eine Stunde Autobahn von uns entfernt, werden sie deshalb seit vielen Jahren gezüchtet. Aber so einen Blick in ihre Kinderstube wie mit der Webcam bekommt man dort nicht und natürlich leben sie im Vogelpark in einer großen Voliere und nicht frei.

Im Winter konnten wir per Hanover- Webcam zusehen, wie die Eltern den Schneemassen trotzden und auf den Eiern aushielten. Es hat sich gelohnt. Jetzt krabbeln 2 Babys durchs Nest und werden mit frischem Fisch gefüttert. 

Screenshots der Livewebcam Hanover IPVS Inc.
Screenshots der Livewebcam Hanover IPVS Inc.

Wer in die hanoversche Wohnung der Seeadler schauen möchte, sollte beachten, dass es dort 6 Stunden früher als bei uns ist und etwas Zeit mitbringen. 

www.hdontap.com/index.php/video/stream/bald-eagle-live-cam - eine ganz fabelhafte Idee.

 

Mo

30

Mär

2015

Lindener Blau

Den Bergfriedhof auf dem Lindener Berg gibt es seit 1862. Im Zweiten Weltkrieg wurden große Bereiche zerstört, eine Straße nahm ihm Raum. Seit 1965 finden nur noch vereinzelt Bestattungen in Erbbegräbnissen und Grüften statt, er bekommt immer mehr den Charakter eines Parks. Und irgendwann kamen die Scillas und wurden mehr und mehr und mehr...

Bergfriedhof mit Küchengarten-Pavillon und Engel
Bergfriedhof mit Küchengarten-Pavillon und Engel

Die Blausternchen, die Scilla siberica, tragen ihren Namen zu Recht. Sie strahlen in diesem ganz besonderen Blau, das nur wenige Blumenblüten haben und je mehr man von ihnen hat, desto fantastischer sieht es aus, wenn sie im Frühjahr blühen.

 

Nur nicht bei Dauerregen und Sturm. Und deshalb fiel den Lindenern gestern am Sonntag das Scillablütenfest 2015 rund um den Bergfriedhof buchstäblich ins Wasser. Schade, wirklich schade.

Weil uns das Wetterorakel so viel Regen und viel, viel Wind bis Ostern voraussagte, machten wir uns schon am Samstagmorgen, noch bei Sonnenschein, auf den Weg zum Lindener Berg. Diese Idee hatten außer uns eine ganze Reihe von Hobbyfotografen: "Ach bitte, bleiben Sie doch in der Hocke, das gibt so ein hübsches Foto..." Ach du je. Dabei gab es Scillas satt und ausreichend für jeden. Und außerdem blühten die Osterglocken, die Schlüsselblumen und die Kornelkirschen, Amseln waren unterwegs und die ersten Bienen.

Der alte Pavillon aus dem Jahr 1749 stand früher im königlichen Küchengarten der Welfen (gebaut als Belvedere auf Auftrag König Georgs II., König von England und Kurfürst von Hannover) und wurde als "Lustpavillon" genutzt, was bedeutet, dass darin gefeiert wurde, man sich darin verabredet und getroffen hat, schlechtes Wetter abgewartet ... und was alles dazugehört. Als der Küchengarten 1866 dem Eisenbahnbau geopfert wurde war es damit aus, schließlich zog der Pavillon zwischen 1911 und 1914 auf den Friedhof um. Er wurde als Ehrengedenkstätte, als Wohnung und Atelier genutzt und fast vergessen, bis Lindener Bürger dafür sorgten, dass er hergerichtet wurde und inzwischen kulturell genutzt wird. Was für eine Pavillon-Karriere.

Do

08

Jan

2015

Historie mit Bär

Im Historischen Museum in Hannovers Altstadt ist jede Woche "Freier Freitag" (geöffnet bis 17.00 Uhr), was bedeutet, dass man keinen Eintritt zahlen muss. Und noch bis zum 11. Januar eine Ausstellung zum Leben in Hannover während des 1. Weltkrieges.

Wer errät, was wir am letzten Freitag gemacht haben?

aus der Ausstellung im Historischen Museum Hannover
aus der Ausstellung im Historischen Museum Hannover

Es war interessant und beklemmend, denn das war auch ein Stück Familienvergangenheit. Leider gab es nur wenige Stücke zum "Anfassen" (wenn das erlaubt gewesen wäre), dafür viele Fotos und viel, viel zum Lesen. Zuviel für Ungeduldige.


Der Krieg zog bis in die Kinderzimmer.

Es gab alte Postkarten, die zeigten, was und womit Kinder wohlhabender Familien damals gespielt haben.

Rollenspiele - wir erziehen durch unser Vorbild - damals nicht anders als heute, oder?


aus der Ausstellung im Historischen Museum Hannover
aus der Ausstellung im Historischen Museum Hannover

Wer der Sütterlinschrift nicht mächtig ist: Der Titel der Karte lautet "Gefangenenlager".

Was hat den Zeichner dieser Postkarte wohl dazu bewogen, einen Teddy in die Mitte zu setzten? Sollte er die Gefangenen trösten?


Meine Familie meint, ich hätte einen Bären-Tunnelblick.

Apropos Ungeduld, die hatte auf jeden Fall das Museumspersonal erwischt: Es war recht voll in der Ausstellung, trotzdem war der Geräuschpegel sehr gedämpft. Bis um 16.42 Uhr eine schrille laute Frauenstimme aus den Lautsprechern über uns hereinbrach: "Bitte begeben Sie sich zum Ausgang. Das Haus schließt in wenigen Minuten." Nicht nur wir zuckten erschrocken zusammen und sahen verwundert auf die Armbanduhr. Na gut, dachten wir, können wir ja noch etwas schauen. 16.45 Uhr, schrill, laut, befehlender Tonfall: "Wir bitten Sie, sich zum Ausgang zu begeben. Das Museum schließt in Kürze." Kinder zupften nervös an den Jacken der Eltern, Sich-Fremde sahen sich irritiert an. Und tatsächlich, obwohl noch 15 Minuten Zeit waren, bewegte sich eine Besucherprozession in Richtung Eingangshalle, zu Fuß innert 1 Minute zu erreichen. 16.50 Uhr, wir zogen langsam die Jacke an, wieder laut und schrill: "Bitte gehen Sie zum Ausgang. Das Museum schließt um 17.00 Uhr." Eine uns fremde Besucherin ging daraufhin zum Kassentresen und fragte, ob man das nicht auch etwas freundlicher und weniger schrill sagen könnte. Antwort: "Das ist eben so." Wir schauten etwas im Shop, ich hätte gern noch eine Karte mitgenommen, aber die Kasse wurde schon abgerechnet und um 16.55 Uhr ging dann das Licht aus. Da musste wohl jemand sehr pünktlich Feierabend machen...

Mi

10

Sep

2014

very british

Hannover goes Britain.

Großbritannien und das englische Königshaus sind in diesem Jahr sehr präsent in Hannover. Genau gesagt können wir dem kaum entgehen, so viel Wirbel wird in den Museen Hannovers und Celles, dem Schloss, der Marienburg und den Medien gemacht und fast alle Veranstalter, passend oder nicht, springen auf den Zug auf. Auch am Sonntag präsentierte die Chopin-Gesellschaft beim Open-Air-Konzert-Picknick im Georgengarten vor dem Wilhelm-Busch-Museum Elgar und britisches Wetter. Brrr.

Bären im Tower of London
Bären im Tower of London

Grund für das alles ist die vor 300 Jahren, also 1714, entstandene Personalunion, als der hannoversche Kurfürst Georg Ludwig zum englischen König gekrönt wurde und von da an 2 Länder regierte. Und das nur, weil England keinen katholischen König auf dem Thron haben wollte. Georg I. folgten noch Georg II bis IV und ein Wilhelm, die Personalunion dauerte schließlich bis 1837.

In diese Jahre fielen die Unabhängigkeit der amerikanischen Kolonien, die französische Revolution, Napoleons Waterloo, die Entdeckungen der Geschwister Herschel und vieles mehr. Dann erbte Königin Victoria den englischen Thron, als Frau ein No-Go in Hannover, und die Wege trennten sich.

 

Im niedersächsischen Landesmuseum hier in Hannover ist noch bis zum 5. Oktober die gesamte 1. Etage dieser Zeit gewidmet.

Entsprechend viel Zeit sollte man einplanen, wenn man nicht nur Bildchen betrachten, sondern auch die Texttafeln lesen möchte. Eine wirklich schöne Ausstellung mit vielen, vielen Informationen und sehenswerten Dingen. Fotografieren ist in der Sonderausstellung leider nicht gestattet, aus "urheberrechtlichen" Gründen, wie es hieß. Wie kleinlich und schade. Kaufen aber darf man - sogar die Queen, dank Solarantrieb fleißig winkend. Verglichen mit den Touristenshoppingläden an Londoner Brennpunkten ist das Angebot - nicht die Preise - eher "british understatement". 

Dass auch in England die Hanoverians ein richtig großes Thema sind, wurde mir erst bewusst, als die englische Verwandtschaft ihren Besuch u.a. im Landesmuseum ankündigte. In England wurde die Ahnenreihe der jetzigen Königin (immerhin war das House of Windsor einmal das House of Hanover, bis die deutsche Verwandtschaft zu peinlich wurde) in einem BBC-Film, Vorträgen, Konzerten und  Sonderausstellungen in den englischen Museen, in Hampton Court, im Kew und Kensington Palace gewürdigt. Es gibt wunderbare Portraitbriefmarken der Hanoverians von der englischen Post, der Royal Mail, für die mein Onkel viele Jahre gearbeitet hat.

... und ein Reiseprogramm "Royal Heritage Route". Britain goes Hannover - Celle - Marienburg - Braunschweig - Hameln - ...

 

Mo

28

Jul

2014

Die Ente bleibt draußen

 

Wir haben ihn alle geliebt und tun das noch immer. Ich liebe Wum und Wendelin, sämtliche Knollennasen und seine Filme.

 

Natürlich die Badeszene.

"In meiner Badewanne pflege ich das Badewasser selbst einzulassen."

"Die Ente bleibt draußen."

 

Die englische Verwandtschaft war, obwohl der deutschen Sprache nur begrenzt mächtig, begeistert und nicht von der Überzeugung abzubringen, Loriot sei in Wirklichkeit ein Engländer.


Mein Herr Müller-Lüdenscheidt ist ein kleiner Schuco-Teddy, der sein Entchen immerhin schon auf den Badewannenrannen gesetzt hat. Dr. Klöbner wird von einem kleinen Steiffbärchen dargestellt, das einmal mit unserem Onkel und der Hapag per Schiff um die Welt gereist ist. Das Entchen stammt aus den geschickten Händen von Fr. Scheibehenne. Soo klein kann ich selber nicht nähen.

Das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover (korrekt "Wilhelm Busch Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst", aber als Name viel zu lang und scheußlich) zeigt noch bis zum 14. September eine Loriot-Spätlese. Die mussten wir sehen.

 

Das Museum befindet sich in einem alten Palais am Rande des Georgengartens. Der Georgengarten gehört zu den Herrenhäuser Gärten und mit "Georg" ist Georg IV., König von England und Hannover, gemeint, weil während seiner Regierungszeit der Garten zu einem Landschaftsgarten umgestaltet wurde. Das war damals "in". Wir gehen hier gern spazieren, auf den vielen Rasenflächen lässt sich faulenzen, picknicken und spielen, die alten Bäume spenden Schatten. Auf dem Weg zum Museum kommt man an schönen alten Villen vorbei.

Im Museum fanden wir einen uns unbekannteren Loriot. Unveröffentlichtes, Gemaltes und Frühwerke, die um einiges boshafter sind, als der feine Sarkasmus der bekannteren Dinge. Es lohnte sich. Einige Fotos von der Ausstellung gibt es unter http://www.karikatur-museum.de/Loriot.spaetlese.html. Leider nicht den von Loriot gezeichneten Wilhelm Busch... Und die vielen Möpse...

 

Ich ließ mir einen Blick in den Garten des Palais nicht entgehen. Es gibt einen Shop und ein schönes Café, für das wir nur leider etwas spät dran waren. Und schöne Rosen.

Mi

30

Apr

2014

Monatswechsel

Der April ist der Monat, bei dem sowohl der 1. als auch der letzte Tag etwas Besonderes sind. So wie wir heute in Geburtstage hineinfeiern, feierten die Römer am letzten Aprilabend in den Festtag Floras hinein, ihrer Göttin der Blumen, die Kelten das Fest Beltane mit der Maigöttin Walpurgis und die Christen eine Heilige, die zufällig Walburga hieß und ebenso zufällig am 1. Mai heilig gesprochen wurde. Wer mit alldem gar nichts anfangen kann, feiert in den "Tag der Arbeit" hinein, an dem paradoxerweise die Meisten nicht arbeiten und an dem der geschichtliche Hintergrund der Arbeiterbewegung nicht unbedingt ein "Burner" ist.

Egal, Feiern geht immer. Schließlich ist Walpurgisnacht. Alle Fans von Otfried Preußlers "Kleiner Hexe" wissen, was in dieser Nacht geschehen ist. Die kleine Hexe hexte auf dem Blocksberg allen Hexen, die sich zum Hexentanz trafen, die Fähigkeit zum Hexen ab und verbrannte ihre Besen. Gut, dass Herr Goethe seinen "Faust" da bereits geschrieben hatte und die übrigen Hexen sich nach Hogwarts zurückgezogen haben.

 

Heute Abend werden wir in den Mai tanzen und den Maibaum, traditionell eine Birke - hatte ich erwähnt, dass ich eine Pollenallergie habe? - aufstellen. Morgen ist "Tag der Erholung" und dann beginnt für mich endgültig und unausweichlich die heiße Phase der Gartenarbeit zu Ehren der Göttin Flora.

Die meisten Frühlingsblumen sind bereits verblüht. Meine Narzissen waren leider ein Totalausfall, sie haben nur Blätter ausgetrieben und keine Blüten. Vielleicht hat ihnen die Winterkälte gefehlt. Die Tulpen haben sich umso mehr angestrengt, aber auch ihre Zeit ist nun vorbei.

Di

25

Feb

2014

Schuhtick

Uns Frauen wird nachgesagt, wir hätten einen Schuhtick. Ob das der Grund dafür ist, dass es eine große Vielfalt verschiedenster Schuhe für Frauen gibt und für Männer eigentlich nur Langweiliges?

Nun, ich habe auch einen Schuhtick. Den Frauenschuhtick. Ich finde Frauenschuhe einfach schön.

Und darum war ich mit der Familie im Hannoverschen Berggarten und wir haben uns die großen Schauhäuser angesehen.

Dort läuft zur Zeit die Ausstellung "Die schönsten Schuhe der Welt" und das ist nicht übertrieben.

Deshalb wurde sie gerade bis zum 9. März verlängert.

Die Schauhäuser, das sind 3 miteinander verbundene große Gewächshäuser mit den Pflanzen der Kanaren, der Tropen und mit Orchideen. Wir stolperten über ein Hochzeitspaar mit seinem Fotografen, das die Frauenschuhe als Kulisse nutzte. (Dafür gibt es übrigens freien Eintritt in die Herrenhäuser Gärten und privates Fotografieren ist selbstverständlich erlaubt.)

Und auch die übrigen Besucher, eine ganze Menge Besucher, konnten dem Fotografieren nicht widerstehen - und wenn es mit dem Smartphone war.

 

Auch wir haben uns durch die drei Häuser hindurchfotografiert bis es uns dafür zu dunkel wurde und die Orchideen haben brav für uns posiert. Ganz anders die  kleinen Zebrafinken, die im letzten Schauhaus frei herumfliegen und nisten dürfen...

Und das sind sie, die Objekte der Begierde

So

16

Feb

2014

Gold im Museum

Ich mag Museen. Wahrscheinlich liegt das am familiären Genpool, denn der Bruder meiner Mutter war Archäologe und grub in den niedersächsischen Mooren nach Bohlenwegen, Wagenrädern und Moorleichen. Wir waren sein Fanclub, sammelten alles, was von ihm und über ihn veröffentlicht wurde und ich las über alte Kulturen, was ich in die Finger bekommen konnte.

 

An "sein" Museum in Oldenburg kann ich mich gut erinnern. An meine entsetzte Großmutter, als ich in den Kinnbart des großen Bisonkopfes, der im Treppenhaus hing, griff, um zu sehen, ob er auch weich ist... An die Moorleichen, die "nervenschonend" in einer dunklen Vitrine präsentiert wurden... Ich musste erst auf einen Lichtschalter drücken, um sie sehen zu können. Dabei waren sie damals für mich das Interessanteste auf der Welt.

Dino-Diorama
Dino-Diorama

 

In unser niedersächsisches Landesmuseum hier in Hannover hat mein Vater mich schon mitgenommen, als ich gerade laufen konnte und mich das große Dinosaurierskelett bestaunen lassen. Und wir haben das mit unseren Kindern genauso gemacht.

 

Nach einer längeren Pause waren wir jetzt im Januar wieder einmal dort. Kann es sein, dass Dinoskelette mit den Jahren schrumpfen? 

 

Zum Ausgleich gab es den hier...

 

Aber unser Ziel waren nicht die naturkundlichen Dioramen, sondern die Sonderausstellung "Im goldenen Schnitt", die die Ausgrabungen entlang des niedersächsischen Abschnitts der Nordeuropäischen Erdgasleitung präsentiert.

Highlight ist natürlich der dabei gefundene Goldschatz aus der Bronzezeit, aber daneben erfährt man viel über Archäologie und wie Ausgrabungen durchgeführt werden, über die niedersächsische Geschichte und unsere Vorfahren.

Und einen Bären gab es auch - als Dekorrand eines Kessels.

Ende Dezember waren wir im Braunschweigischen Landesmuseum gewesen, in der Ausstellung "Roms vergessener Feldzug", alles rund um die Schlacht zwischen Römern und Germanen am Harzhorn. Der Eintritt war teuer, wir durften nicht fotografieren, die Präsentation war teilweise so dunkel, dass die Texte nur schwer zu lesen waren, und sie war so umfangreich, dass wir zuletzt nur noch schnell durchgelaufen sind.

 

Hier in Hannover sind wir entspannt durch die gut gestaltete und ausgeleuchtete Ausstellung gebummelt und fanden auch die letzte Vitrine noch interessant. Das Fotografieren war kein Problem und die Erlaubnis, die Fotos hier zu zeigen, auch nicht.

 


Bevor am 2. März alles abgebaut wird, werde ich noch einmal hingehen und dann auch in die anderen Etagen sehen.

Do

06

Feb

2014

Von Herzen

Valentinstag is coming.

Wem ist heute eigentlich noch bewusst, dass der Valentinstag seit dem 4. Jahrhundert bis 1969 ein katholischer Gedenktag für den Märtyrer Valentinus (oder auch 2 andere) war? Einer dieser Märtyrer wurde geköpft, weil er verbotene Trauungen (mit Blumenschmuck aus seinem Garten) durchgeführt hatte. Zum Tag für die Liebenden wurde er durch ein englisches Gedicht, geschrieben im 14. Jahrhundert für eine Valentinstagsfeier bei Hofe, in dem es irgendwie um balzende Vögel und Nistkastensuche ging, durch den englischen Hang zu Romantik und Blumen und schließlich durch den Export der "Geschäftsidee" via Auswanderer, Commonwealth und Soldaten in andere Länder.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass dieser Tag in meiner Jugend eine Rolle gespielt hätte. Das mag aber auch daran liegen, dass es bei uns auf dem niedersächsischen Land keinen Floristen im Dorf gab. Blumen hatte man selbst im Garten und Blumensträuße kamen vom Spaziergang durch die Felder und Wälder mit nach Haus.

Inzwischen lässt sich der Valentinstag gar nicht mehr übergehen, so präsent ist er in allen Geschäften.

Eigentlich gar nicht so schlecht, sich einmal im Jahr klar zu machen, dass Freundschaft und Liebe gepflegt sein wollen. Und es müssen ja nicht unbedingt Blumen sein... Oder nicht nur...

 

Ich habe dieses Mal Herzkissen aus Webplüsch genäht, weich und kuschelig. 13 cm große Handschmeichler für meine Lieben.

Do

12

Sep

2013

Familie

Wir waren auf dem Engesohder Friedhof und haben ganz viele rosafarbene Chrysanthemen gepflanzt. Weil rosa die Lieblingsfarbe meiner Schwiegermama war.

 

Unsere Familiengrabstätte besteht schon seit 1888, also seit 125 Jahren auf dem Stadtfriedhof Hannovers. Ich hoffe sehr, dass sich auch in Zukunft alle 20 Jahre ein Familienmitglied findet, das bereit ist, für weitere 20 Jahre die happigen Gebühren zu berappen. Und sich nicht sagt, dass man von dem Geld auch ein schönes (o. k. gebrauchtes) Auto kaufen könnte oder Urlaub machen... Es gibt auch keinen „Rabatt für treue Kunden“, obwohl ich so etwas gut fände. Vielleicht eine Staffelung, 10 % Ermäßigung nach 40 Jahren, 20 % nach 80 Jahren, usw. …

 

 

Dieser Friedhof ist eigentlich mehr ein Park mit hohen Bäumen, Hecken, Wasserbecken und Brunnen. Und es ist wirklich schade, wenn man ihn nur bei Beerdigungen kennenlernt. Nur direkt vor den Grabsteinen sind Blumenbeete, der Rest ist Rasen und die Gärtner haben gut zu tun. Und jedes Jahr ärgere ich mich über sie, weil sie im Herbst und Frühjahr auch unser Beet aufräumen und dabei selbst Cotoneaster und Funkien einfach verschwinden.

 

 

Unsere Grabstätte liegt an der Friedhofs-Touristenroute. So etwas verpflichtet. Es gibt, wie in Paris und Wien, eine Broschüre der Stadt und einen ausgearbeiteten Rundkurs zu allen bedeutenden Gräbern und Mausoleen. Das sind schon eine ganze Menge, denn Engesohde wurde 1864 als Nachfolger des damals überfüllten Gartenfriedhofs in der Innenstadt eröffnet. Auf beiden zusammen liegt die Stadtgeschichte Hannovers, zu der ein kleines bisschen auch unsere Familie gehört.

 

Die Fotos stammen zum Teil von Martin Keese.

 

Do

29

Aug

2013

Spielzeugmuseum

 

Ich wollte vom Spielzeugmuseum Steinhude erzählen und bin bei Wohnen, Weben und Fischen hängengeblieben.

 

Über den Innenhof des Museums kamen wir in den Spielzeugbereich im alten Speicher, dem Spieker.

 

Ich hatte ganz gute Erinnerungen an das alte Spielzeugmuseum und war enttäuscht. Was war damals anders?

 

Vielleicht lag es daran, dass die Räume mit ihrem modernen Touch nicht so recht zum Rest des Museums passen und man aus der lebendigen Welt um 1900 in sterilen weißen Fliesenboden und Glasvitrinen katapultiert wird. Es gibt einige nette Sachen: Alte Puppen, ein schönes großes Karussell, viel Blechspielzeug, Eisenbahnen, sogar ganz, ganz alte Dinge ...

Aber auf mich wirkte alles wie lieblos hingestellt. Eine alte Steiffkatze oder auch die schönen Käthe-Kruse-Puppen verdienen es, dass der Betrachter weiß, was er da anguckt, wie alt sie sind und wer der Hersteller war. Und dass Umgefallenes wieder aufgestellt wird.

Zwei der alten Spiele erinnerten mich an Spieleabende bei meiner Großmutter. Das "Angelspiel", ihres hatte allerdings viel kleinere Magnete zum Herausfischen der Pappfische aus dem Pappbassin, und das "Affenspiel", ein Würfelspiel. Der Affe musste über einen Parcour gewürfelt werden, Bäume hoch, ins Schulhaus gucken, den Spielplatz ausprobieren, um zuletzt bei der abgebildeten "Dame" am Teetisch zu landen. Schade das der schöne Spielplan nicht präsentiert ist. Aber die beiden Kartons - sind sie nicht wunderbar?

das Affenspiel
das Affenspiel
das Angelspiel
das Angelspiel

Wer also das unbedingt ansehenswerte Weber- und Fischermuseum besuchen möchte, dem kann ich nur raten, zuerst über den Hof zum Spieker zu gehen und das Ganze von dort zu beginnen.

Mo

26

Aug

2013

Ausflugswetter 2

In den hinteren Räumen des Steinhuder Museums steht ein alter Leinenwebstuhl, an den Wänden hängen die Vorlagen für die Leinenweberei.

 

Ich hüte in meinem Schrank noch einen Schatz aus handgewebtem Leinen der Mutter meines Vaters. Als wir die Fotos machten, habe ich sie mir an ihrem Webstuhl vorgestellt.

 

 

Im Hof kamen wir in die Abteilung Fischen, mit alter Aalkiste, Reusen, Netzen. Und allem, was vor 100 Jahren notwendig war, wollte man sich selbst versorgen. Auch Bienenkörbe.

 

Gefischt wird im Steinhuder Meer auch heute noch. Rauch-Aal gilt als Spezialität, ist mir allerdings zu speziell. Und nur ein kleiner Teil des verkauften Aals stammt tatsächlich aus dem Steinhuder Meer, und selbst diese Aale werden größtenteils als kleine "Baby"-Glasaale im See ausgesetzt.

 

 

 

Das war eine spannende Zeitreise in eine Zeit, die gar nicht so lange vorbei ist, auch wenn mir das angesichts von Mikrowelle und Computer im Haushalt so vorkommt. Es ist ein bisschen wie mit den Dinosauriern. Ich bin froh, dass sie ausgestorben sind.

 

Wer möchte heute noch Lampendochte beschneiden und den Glaszylinder putzen?

Sa

24

Aug

2013

Ausflugswetter 1

Nicht weit von Hannover entfernt liegt das Steinhuder Meer. Meer ist etwas übertrieben, denn es ist ein See, aber immerhin 29 qkm groß. ein Überbleibsel der letzten Eiszeit. Drumherum liegt ein Naturpark mit Moorlandschaft, im See sind 2 künstlich angelegte Inseln, eine davon mit Sandstrand zum Baden, die andere mit alter Festung zum Sightseeing. Ein schönes Ziel für Wassersport und Ausflüge, fürs Entspannen und raus aus der Stadt. Und weil etwas Nettes so selbstverständlich direkt vor unserer  Haustür liegt, staunen wir, dass andere dort ihren Urlaub verbringen.

 

Steinhude Badeinsel
Steinhude Badeinsel
der Wilhelmstein mit Festung
der Wilhelmstein mit Festung

 

Wir wollten dieses Mal nicht aufs oder ins Wasser, sondern nach Steinhude ins Museum. Vor einigen Jahren hatten wir uns schon einmal das Spielzeugmuseum angesehen. Inzwischen ist es ins Hinterhaus des Fischerei- und Webermuseums umgezogen, die Eintrittskarte gilt praktischerweise für beide und wir entschieden uns dafür, uns von vorne nach hinten "durchzuarbeiten". Also erst Weben, dann Fischen, dann Spielen.

 

Das Gebäude wurde 1850 gebaut und die Räume sind mit der Originaleinrichtung erhalten: Diele, gute Stube, Küche, Arbeitsraum und Schlafzimmer. Wir erwarteten fast, die Bewohner kämen gleich durch die Tür. Sie lebten vom Fischen und Weben, etwas Landwirtschaft und fuhren bestimmt zum Torfstechen ins Moor. Im Innenhof liegt ein Torfkahn.

 

Der Webstuhl stammt aus dem Jahr 1750 und (fast) so schöne Decken werden heute noch in Steinhude gewebt und verkauft.

(Die Veröffentlichung unserer Fotos aus dem Museum geschieht mit freundlicher Genehmigung der Steinhuder Museen.)

 


 

Im Obergeschoss ist eine alte Schusterwerkstatt und, was mich viel mehr interessierte, eine Sammlung von alten Webstühlen,

 

 

Spinnrädern, Haspeln und Spulenböcken. Und sogar Bändchenweberei.

 


 

 

 

Ist dieser Stoff nicht einfach wunderschön? Und es steckt soviel Arbeit in ihm, vom Gewinnen der Faser übers Spinnen, Spulen, Spannen der Kette und Weben. Und danach zu etwas Schönem verarbeiten.